U18-Wahl in Fürth: Nicht repräsentativ, aber aufschlussreich
Trotz wackliger Daten zeigen die U18-Ergebnisse erstaunlich klare politische Linien.
Es gäbe tatsächlich relativ viele Themen, über die man derzeit schreiben könnte von der Vetternwirtschaft bei der AfD bis hin zum Angriff von Israel & der USA auf den Iran und was das für den FIFA Peace Price bedeutet. Aber da es sich hier, meistens jedenfalls, um kommunalpolitische Themen dreht, schauen wir heute nicht in die Welt, sondern auf die Ergebnisse der U18-Wahl in Fürth und was diese über die Kommunalwahl am kommenden Sonntag verraten könnten.
Was ist die U18-Wahl überhaupt?
Die U18-Wahl ist eine symbolische Wahl für alle unter 18 Jahren. Organisiert wird sie, u.a. vom Stadtjugendring, einige Tage vor der offiziellen Wahl und sie funktioniert im Ablauf genauso wie die “echte” Wahl. Die Idee dahinter ist weniger ein Spiel, sondern politische Bildung und Sichtbarkeit: Junge Menschen sollen sich informieren und eine Position finden. Außerdem soll die Politik und Öffentlichkeit sehen, was diese Generation bewegt.
Gleichzeitig muss ich gleich mal etwas vorwegnehmen: Die Interpretation und Analyse ist nur sehr bedingt aussagekräftig. Weil wirklich alle unter 18 wählen dürfen, ohne Anmeldung, ohne Wahlbenachrichtigung, oft an bestimmten Orten (Jugendzentrum, sogar im Sportpark Ronhof), sind die Ergebnisse alles andere als repräsentativ. Es ist eher eine Momentaufnahme derjenigen, die gerade erreicht werden und mitmachen wollen, je nach Ort, Milieu und Mobilisierung. Nichtsdestotrotz kann man schon Tendenzen erahnen und genau diese sind meiner Meinung nach, gerade mit Blick auf die Kommunalwahl 2026, politisch und strategisch sehr interessant.
Grün ist vorbei?
Friedrich Merz sagte beim Wahlkampfabschluss der Union zur Bundestagswahl 2025 in München:
Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland.
Diese Aussage gilt für Fürth, jedenfalls bei der U18-Wahl schon mal nicht. Also sofern man die SPD als linke Partei zählt, da gehen die Meinungen weit auseinander, vor allem in Fürth 😅

Die Wahl wird eindeutig von linken Parteien dominiert. Jedoch ist ganz klar zu sehen, dass die kurze (?) Dominanz der Grünen bei jungen Wählern, nicht nur bei der Bundestagswahl 2025, vorbei ist. Frei nach Friedrich Merz: “Grün ist vorbei.”
Bei der U18-Wahl 2020 holten die Grünen noch 36%, und waren damit sogar besser als die SPD. 2026 sind es nicht mal mehr 10% und nur noch fünftstärkste Kraft von acht Parteien. Eine klassische Wahlschlappe, die sich auch bei der Kommunalwahl am 08. März, wahrscheinlich aber in deutlich weniger starkem Ausmaß, wiederholen könnte.
2020 passte nämlich für die Grünen vieles zusammen: Die öffentliche Debatte war deutlich stärker vom Klimaschutz geprägt als heute, „Fridays for Future“ hatte noch eine ganz andere Wucht, und die mediale Grundstimmung war, gerade bei jungen Zielgruppen, spürbar “pro Grün”. Klimapolitik war nicht nur ein Thema unter vielen, sondern oft das Thema, an dem sich Glaubwürdigkeit & Zukunftsfähigkeit von Parteien entschieden. In so einer Lage profitierten die Grünen strukturell: Sie wirken wie die „naheliegende“ Wahl, insbesondere wegen der zugeschriebenen hohen Kompetenz beim Thema Klima. 2026 sieht das Umfeld anders aus: Krisen- und Alltagsfragen (Kosten, Sicherheit, Migration, Infrastruktur) überlagern den Klimadiskurs, das frühzeitige Ende der Ampel-Regierung und die starke, oft nicht gerechtfertigte Polarisierung, zum Beispiel von Robert Habeck, tun ihr übriges. Von dieser Verschiebungen können sich die Grünen in Fürth wahrscheinlich auch nicht komplett abkoppeln.
Ein unschöner Vorbote für die Kommunalwahl
Was mich wirklich erschaudern lässt, ist die Stärke der AfD. Die AfD hat ihren Stimmanteil bei der U18-Wahl von 6% in 2020 auf 12,91% in 2026 mehr als verdoppelt.

Das ist kein gutes Vorzeichen, vor allem mit Blick auf die Kommunalwahl. Denn hier reden wir nicht mehr über vereinzelte “Streiche“ nach dem Motto “Haha, ich kreuze halt mal AfD an“. Wenn selbst bei der U18-Wahl eine Verdopplung passiert, steckt dahinter offensichtlich mehr als nur Trotz oder Provokation. Das ist (leider) ein Trend, der sich auch hier zu zeigen scheint: Die AfD wird als normaler, wählbarer und irgendwie auch akzeptabel angesehen. Und genau das ist gefährlich, weil damit die Schwelle sinkt, extrem vereinfachende Antworten zu belohnen und rechtsextremer Politik Vorschub zu leisten.
Ich habe allgemein wenig bis kein Verständnis für das Wählen der AfD. Aber insbesondere in Fürth bei der Kommunalwahl kann ich das wirklich überhaupt nicht nachvollziehen. Die AfD besetzt in Fürth, jedenfalls aus meiner Wahrnehmung heraus, kaum bis keine kommunalpolitische Themen. Kommunalpolitik heißt für mich konkret: Wohnraum, Kitas, Verkehr, Schulen, Vereine, Sicherheit im Alltag, Stadtentwicklung, Finanzen.
Bei der AfD geht es hingegen gegen das Gendern in städtischen Veröffentlichungen oder gegen die Beflaggung mit Regenbogenfahnen an öffentlichen Gebäuden…

SPD verankert, CSU unsichtbar
SPD und CSU sind bei der U18-Wahl relativ konstant, aber meine Einschätzung dazu könnte nicht gegenteiliger sein:
Die SPD ist mit 33,15% klarer Sieger und das ohne signifikante Zugewinne, denn 2020 lag sie schon bei rund 30%. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, ist aber eigentlich bemerkenswert stabil: Während andere Parteien stark schwanken, hält die SPD ihr Niveau und bleibt vorn. Ein wichtiger Faktor ist selbstverständlich der Oberbürgermeister: Viele U18-Wähler kennen wahrscheinlich nur Dr. Thomas Jung als Oberbürgermeister. Diese Bekanntheit überträgt sich dann zwangsläufig auf die Wahrnehmung der SPD insgesamt und damit auch auf die Stadtratswahl. Selbst wer kommunalpolitische Details nicht im Blick hat, verbindet „Fürth“ und „Rathaus“ oft zuerst mit ihm und wählt dann eben auch SPD.

Die CSU dagegen bleibt praktisch auch unverändert: +0,44 Prozentpunkte auf 10,44%. Also weiterhin eher schwach und weit weg von einem Durchbruch bei jungen Wählergruppen. Das ist umso erstaunlicher, weil man zwei vergleichsweise junge Kandidatinnen prominent platziert hat. Nur: Junge Leute auf der Liste ersetzen keine sichtbare Ansprache. Und genau da wirkt die CSU, zumindest aus U18-Perspektive, erstaunlich blass. Wenn die Junge Union im Wahlkampfjahr 2026 bislang faktisch nicht in Erscheinung tritt und es gerade mal zwei (!!!) Beiträge auf Instagram in 2026 gibt (wovon einer sogar vom Bezirksverband kommt und man “nur” Co-Creator ist), dann fehlt schlicht die niedrigschwellige Präsenz dort, wo viele junge Leute Politik überhaupt wahrnehmen. Wie man so junge Wählerinnen und Wähler erreichen will, erschließt sich mir nicht und es liegt nahe, dass diese kommunikative Lücke ein (wenn auch nicht der) Grund dafür ist, warum die CSU bei der U18-Wahl erneut nicht vom Fleck kommt.
Die Linke profitiert vom Grünen-Einbruch
Bei der Linken ist das Ergebnis in der U18-Wahl das auffälligste: 22,32%, damit klar zweitstärkste Kraft hinter der SPD und ein sattes Plus von 15,05 Prozentpunkten. Ich glaube, dass die Linke massiv von der Schwäche der Grünen profitiert. Eine direkte Wählerwanderung kann man aus den Zahlen natürlich nicht ablesen, aber die Größenordnung passt in etwa: Während die Grünen dramatisch abstürzen, schießt die Linke nach oben.

Es liegt nahe, dass ein Teil derjenigen, die 2020 noch Grün gewählt hätten, 2026 die Linke als „neue“ progressive(re) Adresse gesehen hat. Ähnlich zur Bundestagswahl, bei der die Linke 700.000 Stimmen von ehemals Grünen-Wählern erhalten hat. Genau diese Verschiebung halte ich auch bei der „echten“ Wahl für sehr plausibel. Vermutlich etwas weniger extrem, aber in der Tendenz durchaus identisch.
Fazit: Nicht repräsentativ, aber trotzdem ziemlich aufschlussreich
Unterm Strich ergibt die U18-Wahl in Fürth ein Bild mit erstaunlich klaren Linien: Die SPD bleibt stabil vorne, die Linke schiebt sich mit einem kräftigen Plus auf Platz zwei, die Grünen fallen deutlich zurück, die CSU kommt nicht wirklich vom Fleck und die AfD legt in einer Art zu, die mich wirklich alarmiert. Auch wenn diese Wahl natürlich keine belastbare Prognose für Sonntag ist, fasziniert mich genau das: Trotz aller Einschränkungen erkennt man Tendenzen, die man aus „echten“ Wahlen und Umfragen ebenfalls kennt. Das zeigt für mich, dass die Jugend (bzw. die Jugend, die an der U18-Wahl teilnimmt) sehr wohl mitbekommt, was politisch passiert und oft besser informiert ist, als man ihr gerne unterstellt.
Am kommenden Sonntag, den 08. März, ist Kommunalwahl. Und egal, wie man diese U18-Ergebnisse einordnet: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, sich einzumischen, als dann, wenn man tatsächlich mitentscheiden kann. Bei der Kommunalwahl kann man mit seiner Stimme extrem viel bewegen. Also:
Geht wählen. Wirklich.
Und wenn ich mir dazu noch eine letzte Bemerkung erlauben darf: Bitte nicht bei denen ein Kreuz machen, die vor allem vom Dagegen leben, teilweise vom Verfassungsschutz als “gesichert rechtsextrem” eingeschätzt werden und Ehefrauen bei drei verschiedenen MdBs angestellt sind. Es gibt deutlich bessere Alternativen, auch in Fürth!


