Kommunalwahl 2026: Was Google schon über die SPD-Ziele weiß
Die Ziele der Fürther SPD zur Kommunalwahl 2026
Anfang Mai wurde die Stadtratsliste der SPD aufgestellt. Der Fraktionsvorsitzende Matthias Dornhuber sagte darüber:
Mit dieser Liste ist klar: Bei der SPD bleibt Fürth in guten Händen!
- Die beste Liste für Fürth – Fürther SPD stellt Stadtratsliste auf. (6. Mai 2025). SPD Fürth. https://www.spd-fuerth.de/artikel818
Dr. Thomas Jung wurde dann im September auf der Jahreshauptversammlung der SPD mit 100 Prozent zum Oberbürgermeisterkandidaten für die anstehende Kommunalwahl gekürt. Die Kernbotschaft lautete:
„Fürth ist bei mir in guten Händen!“
- Fürther SPD kürt Dr. Thomas Jung mit 100 Prozent zum Oberbürgermeisterkandidaten. (26. September 2025). SPD Fürth. https://www.spd-fuerth.de/artikel821
Auch auf Flyer, die die SPD verteilt oder auf Schildern bei der Hauptversammlung taucht dieser Slogan immer wieder auf. Es ist also kein Geheimnis, was der Kampagnen-Claim für die Kommunalwahl 2026 sein wird: Fürth in guten Händen. Bei der letzten Kommunalwahl war der Claim “Aus Liebe zu Fürth” und es gab eine extra Website dazu:

Es wird auch wieder eine Website geben, jedenfalls ist die Domain fuerth-in-guten-haenden.de bereits registriert, aber noch nicht veröffentlicht. Jedenfalls für Menschen…
Big Brother Google is watching you
Google ist unter anderem eine Suchmaschine, die das Internet automatisch durchsucht, Inhalte analysiert und sie in einem riesigen Index speichert, um sie bei Suchanfragen schnell auffindbar zu machen. Dabei übernimmt Google bei jedem automatischen Besuch einer Website, eine Art Schnappschuss der besuchten Seite: HTML, sichtbaren Text, manchmal auch Ressourcen wie Bilder oder PDFs. Diese Informationen landen in Googles Index und werden für Suchergebnis-Snippets, also die zwei bis drei Zeilen Text unter den Suchergebnissen, verwendet. Wenn die Seite später hinter ein Login geschoben wird oder verändert wird, kann die bereits erfasste Information trotzdem in Suchergebnissen oder Caches erscheinen.
Anscheinend wurde von Google die Seite “fuerth-in-guten-haenden.de/unsere_ziele“ bereits kurzzeitig indiziert. So bin ich nämlich auf Teile des Wahlprogramms der SPD für die Kommunalwahl 2026 gestoßen. Denn: Sobald man weiß, dass die Seite indiziert wurde, kann man durch Google Suchoperatoren die Seite bzw. genauer gesagt die Snippets davon durchsuchen und dadurch ganze Textpassagen rekonstruieren.
Schuldenabbau & Seitenhiebe
Starten wir mal mit einem absoluten Lieblingsthema der SPD: Der Schuldenabbau. Selbstverständlich wird in den Zielen darauf verwiesen, dass die Schuldenlast in der Amtszeit von Dr. Thomas Jung, von ursprünglich rund 2.500 € auf etwa 1.200 € pro Einwohner, gesunken ist und man deshalb künftige Generationen nicht mit übermäßigen Schulden belasten muss.
Ein nachhaltiger Umgang mit dem städtischen Haushalt steht für die SPD dabei im Vordergrund. Außerdem gibt es diesbezüglich auch einen kleinen Seitenhieb an die Nachbarstädte (wahrscheinlich sind Erlangen und Nürnberg gemeint), deren Verschuldung auf bis zu 100 Millionen Euro angestiegen sind. Das Ziel der SPD in Fürth ist hingegen ein Haushalt, der nicht nur ausgeglichen ist, sondern auch Raum für zukunftsgerichtete Investitionen lässt.
Bauen, Bauen, Bauen
Es werden offenbar viele vergangene oder geplante Bauprojekte genannt, wie zum Beispiel:
Neubau des Helene-Lange-Gymnasiums (HLG) & des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums (HSG)
Um- und Neubaumaßnahmen des Klinikum Fürth
Umgestaltung des Hauptbahnhofs mit Fokus auf Barrierefreiheit
Modernisierung des Frauenhauses
Fertigstellung und Inbetriebnahme der neuen Feuerwache
Außerdem wird bereits auf das neue angedachte Hallenbad am Scherbsgraben verwiesen. Dafür gibt es zwar keine gesicherte Finanzierung und erst in 2 Jahren sollen belastbare Kosten, Fördermöglichkeiten und rechtliche Grundlagen vorliegen, um eine fundierte Entscheidung zur Umsetzung treffen zu können (siehe SchvA/0552/2024). In den Zielen steht deswegen auch “soll […] entstehen” und nicht “wird […] entstehen” 😉
In dem Zusammenhang passt auch der Verweis in den Ausbau der Kinderbetreuung (Kitas und Kindergärten) sowie in die Modernisierung und den Neubau von Schulen zu investieren. Die SPD betont in diesem Zusammenhang, Eltern eine Garantie auf einen Betreuungsplatz zu geben. Diese Zusage wird erneuert und als Abgrenzung zur Situation in anderen Städten genutzt.
Save the Gustavstraße
Ein Fokus wurde offensichtlich auch auf das Thema Gustavstraße gelegt. Aus den Zielen geht hervor, dass die SPD den endgültigen Schutz der Gustavstraße versichert. Was genau damit gemeint ist, kann ich nicht zu 100% sagen. Ich vermute aber stark, dass es um die Klagen bezüglich der Lautstärke und insbesondere den Bebauungsplan 001 geht. Dieser Bebauungsplan, der unter anderem auch für die Gustavstraße gilt, ist schon etwas älter, genauer gesagt aus 1988. Deswegen gelten besondere Regeln zum Schutz der Anwohner, vor allem, was Lärm betrifft. Das ist anders als im übrigen Teil der Innen- und Altstadt.

Die Stadt wollte diesen schon mal ändern, aber das wurde von einem Gericht wieder einkassiert. Deshalb ist der jetzige Plan ein neues Gutachten bis Ende 2025 zu erstellen werden und danach ein neues Planverfahren ab 2026 zu starten. (siehe SpA/1163/2024) Wahrscheinlich ist es das, was die SPD in ihren Zielen versichert: Die finale Änderung des Bebauungsplan.
Mehr Rückblick als Ausblick
Allgemein habe ich in den Textpassagen, die ich gefunden habe, nicht sehr viel konkretes im Hinblick was genau die Ziele der SPD sind, sondern eher was sie bereits erreicht hat, gefunden.
Dabei wird betont, dass sich Fürth in den vergangenen zwei Jahrzehnten sichtbar gewandelt hat. Die Stadt präsentiert sich heute als ”attraktiv, lebendig und lebenswert”. Besonders die Innenstadt wird hervorgehoben. Es werden dazu das Einkaufszentrum „Flair“ oder der Fürther Markt als Belege für diesen Wandel genannt. Sie sollen nicht nur das “Stadtbild” verschönern, sondern auch einen zusätzlichen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen stiften. Ich glaube es ist kein Zufall, dass in den Zielen wortwörtlich “Stadtbild” verwendet wird, außer die SPD war ihrer Zeit voraus und hat die Debatte um dieses Wort schon erahnt 😉
Im Bereich der Wirtschaftsförderung verweist die SPD auf die Erschließung von Gewerbeflächen im Golfpark. Diese Maßnahme wird als Grundlage für Firmenansiedlungen und eine Stärkung der Wirtschaftskraft dargestellt. Zudem will die SPD in Fürth weiterhin Unternehmen in die Stadt holen. Dafür sollen kluge Standortentscheidungen getroffen und passende Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Als Errungenschaft im Hinblick auf die Umwelt bzw. Klima wird der Ausbau zusätzlicher PV-Anlagen im Stadtgebiet, mit einem Zuwachs von rund 25 Prozent im Jahr 2024, angeführt. Darüber hinaus verweisen die Ziele auf weitere Maßnahmen im Bereich Klima- und Umweltschutz, wie etwa den Ausbau und die Verbreiterung von Radwegen.
Die Botschaft ganz allgemein: Fürth hat sich positiv entwickelt. Ein Erfolg, den sich die SPD voll und ganz auf die Fahnen schreibt.
Ein fairer Blick zurück und nach vorn
Ich kenne nicht das gesamte Wahlprogramm oder was alles in den Zielen drinsteht, letztendlich habe ich nur einige Ausschnitte herausgefunden. Deshalb wäre eine Schlussfolgerung, dass es keine konkreten Ziele oder Forderungen gibt unfair und unwahr, denn die gibt es, z.B. das mit der Gustavstraße. Nichtsdestotrotz finde ich das konkrete politische Zielsetzungen für die kommenden Jahre eher vage bleiben. Die Betonung liegt oft auf dem Rückblick, weniger auf einer klaren Vision für die Zukunft.
Im Endeffekt muss man aber sagen: Es wäre falsch, der SPD und Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung die Erfolge der vergangenen Jahre abzusprechen. Der Satz „Fürth hat sich gemacht“ in den Zielen klingt zwar wie ein bloße Floskel, beschreibt aber eigentlich sehr gut eine Entwicklung, die man sehen und spüren kann.
Gleichzeitig sollte man aber die Frage stellen, ob diese Entwicklung allein der SPD zuzuschreiben ist. So klingen nämlich Teile der Texte in den Zielen (“haben wir”, “Wir investieren”, “Wir haben […] viel erreicht”). Schließlich war und ist Stadtpolitik immer auch Gemeinschaftsarbeit, ob im Stadtrat, in den Ausschüssen, und oft auch im engen Zusammenspiel mit Initiativen und Verbänden. Fürths Fortschritt ist daher weniger das Werk einer einzelnen Partei als das Ergebnis eines über Jahre gewachsenen kommunalen Miteinanders.
Dass die SPD diese Erfolge in den Vordergrund stellt, ist trotzdem nachvollziehbar. Wer gestaltet hat, darf auch zeigen, was gelungen ist. Fürth ist in den letzten zwei Jahrzehnten, trotz all meiner Kritik zur INFÜ, Schulpolitik, dem Sanierungsstau und Schuldenabbau, tatsächlich in guten Händen gewesen. Egal, was genau in den Zielen auf der Kampagnen-Webseite geschrieben steht.
Disclaimer
Die im Beitrag verwendeten Textpassagen wurden ausschließlich aus frei zugänglichen Quellen gewonnen. Zum Zeitpunkt der Recherche (05.11.2025) befanden sich die betreffenden Inhalte im frei zugänglichen Index der Suchmaschine Google. Es wurde zu keinem Zeitpunkt auf geschützte Bereiche zugegriffen oder technische Zugangsbeschränkungen umgangen.
Mittlerweile werden die betroffenen URLs beim erneuten Crawl nur noch als geschützte Login-Seiten erkannt, sodass die ursprünglich angezeigten Inhalte sukzessive aus dem Index entfernt wurden und jetzt nicht mehr abrufbar sind.
Exkurs: Die Recherche hinter den gefundenen Textpassagen
Auch wenn die ursprünglichen Informationen zur Seite “fuerth-in-guten-haenden.de/unsere_ziele” nicht mehr indiziert sind (Stand 06.11.2025), sind andere Seitenabschnitte noch auffindbar. An diesen möchte ich kurz näher darauf eingehen, wie ich an die Textpassagen gekommen bin. Folgende Seiten der Website “fuerth-in-guten-haenden.de“ sind noch im Google Index auffindbar (Stand 11.11.2025):
Warum genau diese drei bleibt Googles Geheimnis. 😄 Nehmen wir aber zur Veranschaulichung einfach die erste Seite von SPD-Stadträtin Christiane Staubner. Man sieht, dass die URL “fuerth-in-guten-haenden.de/christiane-staubner” ist und darunter den Text als Snippet. Wenn im Snippet z. B. “in Vach aufgewachsen” angezeigt wird, kann man versuchen die Suche mit möglichen Fortsetzungen zu verfeinern. Damit ist gemeint, dass man überlegt, wie der Satz weitergehen könnte. Zum Beispiel mit einem und am Ende. Mit Hilfe von Google Suchoperatoren, kann man dann genau danach suchen:
site:fuerth-in-guten-haenden.de/christiane-staubner intext:”Vach aufgewachsen und”.
Das Ergebnis:
So wurde aus dem anfänglichen Text
„Seit 2002 darf ich als Fürther Stadträtin die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestalten. Meine Wurzeln liegen im Fürther Norden. Ich bin in Vach aufgewachsen …“
durch gezielte Suchoperatoren und Erweiterungen, die deutlich längere Passage:
„Seit 2002 darf ich als Fürther Stadträtin die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestalten. Meine Wurzeln liegen im Fürther Norden. Ich bin in Vach aufgewachsen und wohne seit über 40 Jahren mit meiner Familie in Mannhof. Durch diese dörflichen …“
Nach demselben Prinzip kann man den Text sukzessive erweitern. Bei meiner Recherche der Ziele habe ich zuerst nach allgemeinen Schlagworten wie „Neubau“, „Fürth“, „Finanzen“ oder „Schulden“ gesucht und anschließend die gefundenen Textfragmente schrittweise ergänzt.
Wie viel das Internet wirklich weiß
Dieser kleine Exkurs zeigt finde ich eindrucksvoll, welche Datenspuren im Netz bestehen. Sogar dann, wenn Inhalte eigentlich längst gelöscht oder verborgen sind. Google vergisst nicht sofort (wenn es das überhaupt tut), sondern bewahrt für kurze Zeit diese Daten auf, die tiefer reichen, als man denkt.
Was als technische Indexierung beginnt, offenbart letztlich, wie umfassend die digitale Welt unsere Informationen speichert, verknüpft und zugänglich macht.






