Sparen ja, aber nicht bei der Stadtzeitung?
Wie Fürth jährlich über eine Viertelmillion Euro für seine Stadtzeitung verschwendet
In meinem vorherigen Beitrag habe ich schon darüber geschrieben, dass die Finanzen der Stadt nicht so rosig aussehen, wie es mancher Kommentar oder Jahresrechnung darstellen wollen (Stichwort: Überragendes Ergebnis). Viel mehr wird die Stadt, insbesondere seit 2024, von der Regierung in Mittelfranken immer wieder zum Sparen animiert. Dies gipfelte darin, dass der Haushalt für 2024 nur unter Auflagen genehmigt wurde. Das hatte zur Folge, dass die Stadt Fürth eine Haushaltskonsolidierung durchführen musste und darin zum Beispiel höhere Krippen- und Kitagebühren beschlossen hat.
Eine Sache ist jedoch mehr als beachtlich: In der langen Liste der Haushaltskonsolidierung, findet man nichts über eine Abschaffung oder Digitalisierung der INFÜ. Die INFÜ ist das Amtsblatt, sowie die Stadtzeitung der Stadt Fürth. Diese erscheint 23 mal im Jahr in einer Auflage von 69.000 Stück und wird an alle Haushalte in Fürth verteilt. Kostenpunkt mehr als 250.000€ im Jahr. Tendenz steigend.
Alleinstellungsmerkmal
Das ist nicht nur wegen der angespannten finanziellen Lage der Stadt beachtlich, sondern Fürth ist die einzige der zehn größten Städte in Bayern, die sich diesen Luxus überhaupt leistet. Weder München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt, Würzburg, Erlangen, Bayreuth oder Bamberg haben eine gedruckte Stadtzeitung, die gratis an alle Haushalte versandt wird. Die meisten sind schon längst auf digitale oder kostenpflichtige Formate umgestiegen, nur Fürth hält unbeirrt an der kostenlosen Stadtzeitung für alle Haushalte fest. Da stellt sich definitiv die Frage: Warum eigentlich?

Befürworter der INFÜ sagen, dass diese eine “zentrale Informationsquelle” für die Fürther Bevölkerung sei. So zum Beispiel der Fraktionsvorsitzende der Fürther SPD Maurice Schönleben in seiner Haushaltsrede zum Haushalt 2025. Auch von anderer Seite wird betont, dass es ein äußerst beliebtes Medium in der Stadtgesellschaft sei und Firmen, stadtweit Werbung schalten und alle Bürger erreichen könnten.
Argumente laufen ins Leere
All das ist in meinen Augen lediglich vorgeschoben. Alleine das Argument der zentralen Informationsquelle ist haarsträubend. Das sich Bürgerinnen und Bürger über die gedruckte INFÜ informieren ist in der heutigen digitalen Welt und bei sinkenden Print-Abo Zahlen für allerlei Zeitungen nicht haltbar. Insbesondere nicht, wenn die Stadt unglaublich viele digitale Kanäle anbietet, in denen sie über Neuigkeiten aus Verwaltung und Stadt berichtet. Hier mal eine Auswahl:
Newsletter (#Post aus Fürth) fuerth.de/service/newsletter/
WhatsApp-Kanal whatsapp.com/channel/0029VaQ59kG0LKZ95MQdT23i
Facebook-Seite facebook.com/fuerth/
Instagram-Seite instagram.com/stadtfuerth
Bluesky-Seite bsky.app/profile/stadtfuerth.bsky.social
Threads-Seite threads.net/@stadtfuerth
Internet Seite fuerth.de
Da ist doch offensichtlich, dass sich die Stadtgesellschaft hauptsächlich aus der gedruckten INFÜ informiert, oder? „Aber was ist mit älteren Menschen?“, könnte man jetzt einwerfen. Doch auch dieses Argument trägt nicht. Schließlich gibt es in keiner anderen bayerischen Großstadt eine kostenlose Stadtzeitung, die an alle Haushalte verteilt wird. Und dennoch sind die Bürgerinnen und Bürger, auch die älteren, dort sicherlich nicht schlechter informiert als in Fürth. Informationsangebote gibt es überall reichlich, ob über lokale Tageszeitungen, digitale Kanäle oder direkte Bürgerinformationen. Warum also sollte es ausgerechnet in Fürth anders sein?
Ebenso das Argument, dass Firmen, stadtweit Werbung schalten und alle Bürger erreichen könnten, kann nicht bewiesen werden. Ganz im Gegenteil! In den Budgetergebnissen für 2023 und 2022 heißt es wortgleich:
“Der operative Fehlbetrag (des BMPA [Herausgeber der INFÜ], Anm. FK) ist größtenteils durch Mindereinnahmen sowie Mehrausgaben im Bereich „INFÜ“ (Stadt-Zeitung) entstanden.”
- siehe Vorlage Käm/1156/2025 und Käm/1072/2024
Mindereinnahmen bedeuten nichts anderes als, dass man weniger Erlöse durch die Anzeigen in der INFÜ erhalten hat. Es scheint also so, dass Firmen oder Vereine das Angebot deutlich weniger nutzen, als man denkt.
Erforderliche Entscheidungen zu Fehlbeträgen
Seit über einem Jahrzehnt schreibt das BMPA (Bürgermeister- und Presseamt), als Herausgeber der INFÜ, tiefrote Zahlen. Oft der Hauptverursacher: die Stadtzeitung INFÜ. Jedes Jahr aufs neue hält die Finanzverwaltung ausdrückliche Entscheidungen hinsichtlich des Fehlbetrags für geboten. Die Entscheidung ist aber, dass das Budget im Bereich INFÜ zum Haushalt 2023 um 70.000 € und zum Haushalt 2024 nochmals um 90.000 € aufgestockt wurde. Somit ist der jetzige Ansatz bei 290.000€!
Mal zum Vergleich: Die Gebührenerhöhung für Krippen, Kindergärten, Hort und Ferien- bzw. Anschlussbetreuung der offenen Ganztagsschulen, die man bei der Haushaltskonsolidierung beschlossen hat, bringt Mehreinnahmen von 245.000€. Das bedeutet ganz konkret, dass hätte man die INFÜ digitalisiert oder abgeschafft, hätte man sich die Erhöhung der Gebühren für die Kinderbetreuung, also eine Mehrbelastung für Familien, sparen können. Die FDP, FW und Grünen wollten eine Digitalisierung der INFÜ in den Haushaltskonsolidierungen, aber dazu sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD in seiner Rede:
“Wir stehen zu unserer Stadtzeitung InFÜ – und zwar in gedruckter Form. Wir halten sie für eine zentrale Informationsquelle für unsere Fürther Bevölkerung. Von daher kann ich Ihnen bereits an dieser Stelle, liebe Kolleginnen der FDP, FW und Grünen, eine Absage erteilen: Mit uns gibt es keine Streichung der InFÜ!”
- Maurice Schönleben, Haushaltsrede zum Haushalt 2025, 9. Dezember 2024
SPD. Soziale Politik für Dich. 👏🏼🙌🏼 Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass die CSU die Digitalisierung ebenso wenig wollte und es deswegen nicht zustande kam. Die Logik hinter dieser Entscheidung ist leider nicht erkennbar.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Es gibt kein einziges belastbares Argument, das die Beibehaltung der gedruckten INFÜ rechtfertigt, vor allem nicht in Zeiten, in denen an allen Ecken und Enden gespart werden muss und es eine Vielzahl an digitalen Alternativen gibt. Weder die angebliche „zentrale Informationsquelle“ noch der Nutzen für die lokale Wirtschaft halten einer nüchternen Betrachtung stand. Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: Die INFÜ ist ein teures Relikt aus einer anderen Zeit, das Jahr für Jahr ein tiefes Loch in den städtischen Haushalt reißt.
Wem nützt die INFÜ wirklich?
Die entscheidende Frage ist daher: Warum stemmen sich insbesondere die SPD (und CSU) so vehement gegen eine Abschaffung oder zumindest Digitalisierung? Eine mögliche, zugegeben etwas populistische, Erklärung könnte sein, dass die INFÜ nicht nur Informationen transportiert, sondern selbstverständlich auch Images pflegt. Wer regelmäßig mit einer Vielzahl an Bildern und in einer eigenen Kolumne präsent ist, steigert zwangsläufig seine Sichtbarkeit und Bekanntheit. Für den amtierenden Oberbürgermeister ist das ein unschätzbarer (aus Steuermitteln finanzierter) Vorteil. Dass sich die CSU dieser Haltung anschließt, bleibt für mich ein politisches Rätsel.

Etwas gehässig könnte man sagen: Die INFÜ ist nicht nur eine Stadtzeitung zur Information der Bürgerinnen und Bürger, sondern vielmehr ein kostenfreies PR-Instrument für die Rathausspitze. Dass vor allem die SPD unbedingt an diesem Format festhalten will, wirkt vor diesem Hintergrund nicht mehr wie eine Frage der Information, sondern wie eine Frage der eigenen politischen Reichweite. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Sie zahlen mit ihren Steuern für ein Medium, dessen Nutzen für die Allgemeinheit mindestens fragwürdig, dessen Nutzen für die politische Selbstdarstellung jedoch offensichtlich ist.
Wer in Zeiten leerer Kassen lieber eine Stadtzeitung druckt, statt Familien zu entlasten, hat das Prinzip von Prioritäten endgültig verlernt.



Ein grober Misstand! Lieber Junge Familien unterstützen, als die Parteizeitung des OB Jung zu finanzieren. Was ist los mit der Fürther Opposition im Rathaus? Warum nehmen das alle so hin?