Wozu einen Radweg auf der Schwabacher Straße?
Warum Fürths Pläne für die Schwabacher Straße nach dem Ausbau paralleler Fahrradstraßen schwer nachvollziehbar wirken.
Meine Analyse der Podiumsdiskussion zum Thema Verkehr in Fürth war bisher mein zweitmeist geklickter Beitrag, um mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.
Das zeigt für mich, dass Leute Verkehrsthemen ziemlich interessant finden. Das sieht man außerdem auch in den Kommentarspalten auf Facebook, Instagram und Co., wenn es dort um Fahrradstraßen, Radwege oder Parkplätze (insb. deren Wegfall) geht. Immer dann geht es in den Kommentaren meist richtig rund. Es ist auf alle Fälle immer polarisierend, wenn es um solche Themen geht. Vermutlich, weil jeder Mensch Verkehrsteilnehmer ist, ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger, und dadurch alle eine Meinung haben. In die eine oder die andere Richtung.
Ähnlich war es auch bei der Fahrradstraße in der Austraße und Flößaustraße, die als direkte Verlängerung der bereits bestehenden Fahrradstraße in der Dambacher Straße geplant ist (siehe Vorlage SpA/1251/2025):

Dort gab es auch den ein oder anderen Kommentar, der das nicht unbedingt nachvollziehen kann, um’s diplomatisch zu formulieren. Ich für meinen Teil kann dem relativ viel abgewinnen: Die Fahrradstraße in in der Dambacher Straße, inkl. Verlängerung über Austraße & Flößaustraße ist dann eine echte, zusammenhängende Achse von der Comödie bis weit in die Südstadt hinein. Aber genau diese Neuigkeit und entstehende Achse wirft für mich eine Frage auf, die ich mir schon gestellt habe, als die Dambacher Straße als Fahrradstraße deklariert wurde: Wozu braucht man eigentlich einen Radweg auf der Schwabacher Straße?
Was 2019 beschlossen wurde
Am 17.07.2019 hat der Bauausschuss einstimmig die Vorlage SpA/724/2019, Radverkehrsanlagen Schwabacher Straße, angenommen. Der Plan: Auf der gesamten Schwabacher Straße fällt eine Kfz-Fahrspur weg, dafür kommen Radschutzstreifen und ein Busfahrstreifen. Eine einspurige Verkehrsführung also und das auf einer der meistbefahrenen Ein- und Ausfallstraßen der Stadt.

Das kann man schon machen, aber meiner Meinung doch nicht, wenn parallel mit der Dambacher Straße bereits eine Fahrradstraße existiert. Da stellt sich für mich schon die Frage:
Welcher Fahrradfahrer wählt freiwillig die Schwabacher Straße mit Bussen, LKWs und Ampeln, wenn er 50 Meter daneben auf einer beruhigten Fahrradstraße fahren kann?
In der Zusammenfassung der eingegangenen Stellungnahmen (siehe Anlage “Zusammenfassung der eingegangenen Stellungnahmen V02 2019-07-09“) wurde auf diese Thematik, z.B. von der Pflegerin des Stadtbildes Frau von Wittke, hingewiesen. Laut des Baureferats stellen die Fahrradstraßen lediglich ein Alternativangebot für Radfahrer da, aber weil ”die Route der Schwabacher Straße […] dem kürzesten Weg entspricht, sind auch hier Radverkehrsanlagen vorzusehen.” Aber geht es immer um den kürzesten Weg?
Laut dem Fahrrad‑Monitor 2025 ist Sicherheit ein mindestens ebenso entscheidendes Thema. 94% der Radfahrer fühlen sich am sichersten auf vom Auto- und Fußverkehr getrennten Radwegen und 83% bewerten Fahrradstraßen als sicher. Hinzu kommt, dass sich nur 29% auf einem geteilten Bus-Sonderfahrstreifen, wie er auch auf der Schwabacher Straße geplant ist, sicher fühlen. Außerdem ist der Weg über die Dambacher Str. von der Bahnunterführung bis zum REWE Kaiserstraße heute nur 400m (!) länger. Ohne Ampeln, ohne Busse, ohne LKWs, ohne Autos und Blick ins Grüne wohlgemerkt. Für mich klare Argumente gegen die aktuelle Planungen in der Schwabacher Straße.
But wait there’s more!
Die andere Parallelstraße
Auf der bereits oben genannten Podiumsdiskussion zum Thema Verkehr sagte der Oberbürgermeister außerdem, dass auch die Ludwigstraße zur Fahrradstraße werden soll. Die liegt auf der anderen Seite der Schwabacher Straße. Das würde (von der Stadt kommend) bedeuten: rechts Dambacher Straße/Austraße als Fahrradstraße, links Ludwigstraße als Fahrradstraße und in der Mitte eine Hauptverkehrsachse, auf der man trotzdem noch eine Fahrspur opfert, um einen Radstreifen zu markieren, den höchstwahrscheinlich kaum jemand nutzen wird.
Die Sinnhaftigkeit erschließt sich mir hier wirklich nicht. Um es aber nochmal deutlich zu machen: Ich bin nicht gegen den Ausbau von Radinfrastruktur oder möchte diesen verhindern. Im Gegenteil, denn die Fahrradstraße Austraße/Flößaustraße ist eine sinnvolle Maßnahme und die Dambacher Straße hat bereits bewiesen, dass solche Konzepte funktionieren (siehe SpA/1050/2023). Es geht schlicht und ergreifend um Effizienz und Verhältnismäßigkeit.
Steilvorlage für die Opposition?
Genau so ein Thema ist doch prädestiniert für eine konservative Opposition. Denn wenn Einschränkungen auf einer Hauptverkehrsader geplant sind, die laut Gutachten zu Verkehrsqualitätsstufen zwischen “ausreichend" und “überlastet" führen, man gleichzeitig eine funktionierende Parallelalternative gebaut hat und noch eine weitere plant, dann sollte man schon gut erklären können, warum alles drei notwendig ist. Dieses Thema hat ein besonderes Potenzial: Es ist kein populistisches “Wir sind gegen Fahrräder"-Argument. Es geht ausschließlich um die zwingende Notwendig- und Sinnhaftigkeit dieser Planung, von den Kosten ganz zu schweigen.
Aus konservativer Sicht kann man sogar Einwände aus der Verwaltung, zum Beispiel der Polizeiinspektion Fürth, als weitere Argumente anführen. Die PI Fürth schrieb nämlich unter anderem, dass der Fahrstreifenentfall auf der Schwabacher Straße den Ausweichverkehr in die Wohnquartiere drängen und dort die Unfallgefahr erhöhen wird. Außerdem wird durch den Wegfall vorhandener Stellflächen die Möglichkeit des ordnungsgemäßen Parkens weiter reduziert. Um „nur mal schnell“ zu halten, werden die Leute nicht mehr in zweiter Reihe, sondern vermutlich auf der Busspur parken. Bis zur Beseitigung einer solchen Verkehrsstörung wird erfahrungsgemäß einige Zeit vergehen, in der sich Busse in die “normale” Fahrspur einfädeln muss. Die PI lehnt den Wegfall der Fahrspur auch deshalb ab.
Wer all diese Argumente inkl. dem Ausbau weiterer parallelen Fahrradstraßen aufgreift, kann glaubwürdig sagen: Wir sind für Radverkehr, aber für klugen Radverkehr. Nicht für Symbolpolitik auf Kosten der Verkehrssicherheit und der Leistungsfähigkeit einer Hauptstraße. Das zieht, nicht nur bei konservativem Publikum, sondern auch bei denjenigen, die lieber sicher auf Fahrradstraßen fahren als auf einer Hauptverkehrsachse in Konkurrenz mit allen anderen Verkehrsteilnehmern.




