Gleich am Anfang mal eine Beichte, wobei so eine richtige Beichte ist es eigentlich nicht. 😅
Bisher habe ich jeden meiner Beiträge mit Hilfe von KI oder, genauer gesagt, LLMs (Large Language Models) geschrieben. Vielleicht fällt es bei manchen Beiträgen mehr auf, bei anderen weniger. Für mich ist KI jedenfalls oft eine enorme Erleichterung. Zum Beispiel, wenn komplexe Sachverhalte verständlich erklärt werden müssen, Beiträge für Suchmaschinen optimiert werden sollen oder schlicht Formulierungen noch nicht richtig sitzen.
Jedenfalls klingt das Ergebnis manchmal sogar besser, als wenn ich einen Absatz komplett allein geschrieben hätte. Und ich bin ganz transparent mit euch: Auch dieser Beitrag ist davon nicht ausgenommen. 😄

Diese Entwicklung macht natürlich auch vor der Politik nicht halt. Denn KI vereinfacht viele Dinge, die früher deutlich aufwendiger waren: Anträge formulieren, Pressemitteilungen schreiben oder Bilder für Plakate und Social Media erstellen. Grundsätzlich finde ich daran erst einmal nichts Verwerfliches. Warum sollte man sich nicht helfen lassen, wenn dadurch Zeit gespart oder ein Ergebnis verbessert wird? Das eigentliche Problem beginnt für mich an einem anderen Punkt und der macht mich echt oft richtig wütend. Nämlich, wenn offensichtlich schlechte und/oder fehlerhafte KI-Inhalte trotzdem veröffentlicht werden.
Und genau um diese besonders unschöne Begleiterscheinung soll es heute gehen: AI Slop in der Politik. Darunter versteht man im Allgemeinen meist massenhaft produzierte, offensichtlich minderwertige KI-Inhalte. Also unter anderem Bilder mit falschen, nicht lesbaren Text, kaputten Perspektiven, merkwürdigen Händen, verzerrten Gesichtern oder Personen, die schlicht unecht aussehen. Im Endeffekt Bilder bei denen man aus 100m Entfernung erkennt, dass sie mit generativer KI erstellt worden ist. Trotzdem schauen sich der/die Ersteller/-in das an und denkt sich “Joa, bassd scho” und veröffentlich das Ganze auch noch.
Warum werden schlechte KI-Bilder trotzdem veröffentlicht?
Ich denke, das hat vor allem drei Gründe:
1. Botschaft vor Richtigkeit
Es ist meist nur noch entscheidend, ob ein Bild die gewünschte (politische) Botschaft transportiert. Ob Details stimmen, Text korrekt geschrieben ist oder das Motiv überhaupt logisch aufgebaut ist, wird zweitrangig.
Das Bild muss nicht glaubwürdig sein. Es muss nur möglichst schnell Wut, Angst, Zustimmung oder Empörung auslösen.
2. Reichweite vor Qualität
Auf Social Media wird häufiges und schnelles Posten belohnt. Wenn man regelmäßig Inhalte veröffentlicht, bleibt man sichtbar. Wer darüber hinaus besonders provokant ist, bekommt Kommentare, Reaktionen und Teilungen (Nius lässt grüßen…).
Dabei ist es manchmal fast egal, ob die Reaktionen positiv oder negativ sind. Auch Spott, Kritik und vor allem Empörung erzeugen Reichweite. Ein schlechtes Bild kann dadurch im schlimmsten Fall sogar “erfolgreicher“ sein als ein ordentlich gestaltetes.
3. KI-Inhalte als Wegwerfprodukte
Früher musste man erst ein Bild fotografiert, dann gestaltet oder zumindest aufwendig z.B. mit Photoshop oder Canva bearbeitet werden. Heute reichen ein paar Sätze und wenige Minuten. Genau dadurch sinkt offenbar auch der Anspruch.
Das Bild ist dann kein bewusst gestalteter Inhalt mehr, sondern nur noch Füllmaterial für den nächsten Post. Warum also viel Zeit in kontrollieren oder verbessern investieren?
Zum Beispiel gab es erst neulich etwas Wirbel, um ein Posting von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, dass sie zum Schulanfang in Rheinland-Pfalz auf ihrem Instagram Account gepostet hat:
Man muss aber gar nicht unbedingt in der Bundestagspolitik danach suchen. Auch in der politischen Kommunikation in Fürth finden sich dafür einige ziemlich anschauliche Beispiele.
Schlecht gemacht, noch schlechter gemeint
Fangen wir gleich mal mit der schlimmsten Art von sog. AI Slop an. Bilder, die handwerklich miserabel sind und deren eigentliche Botschaft noch schlimmer ist. Wer könnte da besser als Beispiel fungieren als die AfD und sogar deren Ortsverband in Fürth bzw. Teile ihrer Stadtratsfraktion:

Entschuldigt die Wortwahl, aber alles daran ist scheiße.
Der Inhalt, der ausschließlich auf Spaltung setzt und Dinge miteinander verknüpft, die in keinem direkten Zusammenhang stehen. Das gesamte Aussehen, z.B. das nicht mal die Schrift des AfD-Logos korrekt ist, das auf dem Schild “Ankunft Beutschland” steht oder “Burgergeld” auf den Jacken, man den Text auf der linken Seite nicht mal richtig lesen kann und es manchmal nicht mal Buchstaben sind. Aber wenn ihr denkt, das Bild sei schon schlimm gewesen, dann habt ihr folgendes noch nicht gesehen.
Es stammt vom selben Fürther AfD-Stadtrat, Alexander Köplin, und wurde zum Internationalen Kindertag am 01.06.2026 veröffentlicht:

Normalerweise versuche ich ja, stets diplomatisch zu sein und politische Aussagen möglichst fair einzuordnen, aber hier gibt es für mich aber nichts schönzureden. Ein gewählter Kommunalpolitiker veröffentlicht zum Kindertag ein Bild, das Dragqueens pauschal in die Nähe einer Gefahr für Kinder rückt.
Wer bei der AfD immer noch meint, sie sei doch eigentlich nur etwas konservativer, “gar nicht so schlimm“ oder in Fürth ist sie ganz anders, sollte sich solche Postings sehr genau anschauen. Vor allem dieses hier. Wenn man so etwas postet, dann gibt es für mich schlicht und ergreifend keine gemeinsame Grundlage mehr. Es kommt noch erschwerend hinzu, dass solche Leute für den Ton und die politische Kultur in unserer Stadt Verantwortung tragen.
Und an diesem Punkt ist es eigentlich egal, ob das Bild mit KI erstellt wurde oder nicht. Der Inhalt war offensichtlich so gewollt und genau das offenbart weit mehr als jeder noch so schlechte Schriftzug oder jede kaputte Perspektive…
Das hat wirklich niemand hinterfragt?
Nach wirklichen Abgründen von KI-Bildern wird es etwas weniger düster, jedenfalls inhaltlich. Denn das Beispiel ist immerhin nicht menschenverachtend, sondern eher unfreiwillig (?) komisch. Es stammt von der JU Nürnberg-Fürth-Schwabach und wirft bei mir eine ganz andere Frage auf:
Wie kann man solche Bilder anschauen und ernsthaft zu dem Schluss kommen, dass sie gut genug sind?
Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass offenbar niemand gesagt hat: “Das können wir so nicht machen“ Genau diese fehlende Qualitätskontrolle und/oder Sinn für Ästhetik ist für mich auch eines der größten Probleme.
Hier nochmal in der “Nahaufnahme”:
Wer ist der Mann auf dem Bild? Auf alle Fälle nicht Markus Söder.
Was ist das für eine Stadt im Hintergrund? Auf alle Fälle nicht Nürnberg.
Was will uns die Junge Union mit “3,0m² Nürnberg” sagen?
Fragen über Fragen…
Und das hat jemand erstellt, dann drucken lassen, dann Markus Söder überreicht und er postet das sogar noch. Es gab also viele Möglichkeiten und eventuell einige, sogar junge, Menschen, die das hätten stoppen können. Aber anscheinend hat das niemand getan, vielleicht auch aus dem, von mir oben genannten, zweiten Grund (Reichweite vor Qualität). Ein absichtlich schlechtes Bild erzeugt Reaktionen, auch meine eigene hier in diesem Beitrag, und das wird bei Social Media belohnt.
Hauptsache, es passt ungefähr
Auch meine ehemalige Partei muss ich leider als Beispiel nennen. Zum Glück ist der Inhalt hier, ähnlich wie dem bei der JU, bei Weitem unverfänglicher. Die CSU Fürth erstellt für ihre Website anscheinend mit Hilfe von KI eine Art „Steckbrief“ zu ihren Anträgen. Besonders professionell sehen die dazugehörigen Bilder allerdings auch nicht aus:

Ich muss zugeben, dass ich noch nie im Jugendbad Burgfarrnbach war und es wahrscheinlich auch nie sein werde, da es ja vorübergehend geschlossen wird.
Das ist einfach irgendein KI-generiertes Poolbild, bei dem vor allem die Rundung des Beckens keinen wirklichen Sinn ergibt und selbst die Fliesen an einigen Stellen merkwürdig verrutschen. Außerdem sieht man diese Art von Postern und Plakaten sehr oft, allein die Icons unten findet man auf so gut wie jedem von KI erstellten Postern. Müsst mal darauf achten 😉
Fairerweise muss man sagen: Das ist schon Meckern auf etwas höherem Niveau, auch wenn sich auf der Website noch weitere solcher KI-Bilder finden. Verglichen mit dem JU-Bild, den Postings des AfD-Stadtrats oder den teilweise KI-generierten CSU-Wahlplakaten aus dem Kommunalwahlkampf ist das hier fast schon harmlos. 😅
Vermutlich greift an dieser Stelle vor allem der, oben genannte, dritte Punkt: KI-Inhalte werden als Wegwerfprodukte behandelt. Der Antrag wird schnell in ein KI-Tool geladen, dazu lässt man sich ein halbwegs passendes Bild generieren und anschließend landet das Ganze ohne größere Nachbearbeitung auf der Website. Ob die Stadt im Hintergrund wirklich Fürth ist, die Perspektive stimmt oder der dargestellte Ort auch nur entfernt dem echten Vorbild entspricht, scheint dann eher zweitrangig zu sein.
Auch der Oberbürgermeister hat sich schon mal an KI probiert. Ob jetzt wirklich selbst oder er nur das Bild hochgeladen hat weiß ich nicht, aber er hat es jedenfalls auf seinem Instagram-Profil gepostet. Man schaue sich nur mal die Hände an 🙄
Diese Beispiele richten keinen großen Schaden an. Es zeigt aber ziemlich gut, wie schnell aus einer eigentlich nützlichen Abkürzung gedankenlos (schlecht) produzierter Inhalt wird. Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: Nicht die KI selbst ist das Problem, sondern die fehlende Sorgfalt und Verantwortung beim Umgang mit ihr.
Die Verantwortung bleibt beim Menschen
Ehrlich gesagt verstehe ich trotz meiner drei Erklärungsversuche immer noch nicht so ganz, wie manche dieser Bilder tatsächlich veröffentlicht werden konnten. Irgendjemand muss sie doch vorher gesehen und darauf hingewiesen haben, dass die schlecht aussehen…
Dabei ist KI an sich nicht das Problem. Richtig eingesetzt kann sie enorm hilfreich sein, Arbeit erleichtern und auch kleinen Parteien, Vereinen oder Bloggern (😉) Möglichkeiten geben, die früher viel Zeit und Geld gekostet hätten. Die Modelle werden auch immer besser, aber sie sind halt trotzdem kein Allheilmittel. Ergebnisse müssen kontrolliert, hinterfragt, überarbeitet und manchmal eben auch verworfen werden.

Bei einem merkwürdigen Poolbild oder einem Bild mit zu vielen Fingern führt fehlende Sorgfalt hauptsächlich zu einem peinlichen Auftritt. Wenn dieselbe Gedankenlosigkeit aber auf menschenfeindliche Botschaften trifft, wird KI zum Multiplikator für Ressentiments und Spaltung.
KI kann einem viel Arbeit abnehmen. Sorgfalt, Geschmack und Verantwortung gehören aber, wie bei allem, weiterhin dazu und leider ist bei manchen alles drei anscheinend nicht vorhanden.





KI kann evtl. die Arbeit erleichtern. Ich habe sie bisher nicht genützt, nicht einmal zur "Optimierung" von Mails. Meine Meinung: Wenn diese "Erleichterung" zu oft genützt wird, werden das eigene Hirn und die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht mehr genügend trainiert. Wozu haben wir eine gute Schulbildung und Ausbildung, evtl. sogar ein Studium absolviert, wenn wir dann "verkürzt" arbeiten und dies alles brach liegen lassen? KI ist verführerisch ... im schlimmsten Fall - den ich gar nicht so weit weg sehe - verdummt sie Menschen, weil sie (auch geistige) Trägheit fördert.
Sehr guter Post👍🏼. Mich beschäftigen auch die schnellen Verbesserungen in der KI. Wenn wir bald vielleicht gar nicht mehr erkennen können, was KI-generiert ist. Ob das besser ist, als AI-slop? Keine Ahnung…