Was das Jugendbad Burgfarrnbach über den Investitionsstau in Fürth zeigt
Die mögliche Schließung des Jugendbads ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom für jahrelang zu geringe Investitionen in Fürth
Irgendwie bin ich mit meinen Beiträgen immer etwas hinter her. Damit meine ich, dass ich immer etwas hinter der Welle (Corona Flashback 😷) bin. Also über solche Themen schreibe, die eigentlich schon mal hochgekocht sind und dann wieder aus dem öffentlichen “Stadtgespräch” verschwinden. Eine Ausnahme war da mein Beitrag über den “Hilferuf” am Stadttheater, der kam rechtzeitig:
Sonst bin ich eigentlich immer etwas hinter her, das liegt unter anderem daran, dass das hier nebenbei läuft und die Recherche manchmal etwas länger dauert. In die Untiefen aller Vorlagen und Dokumente im Stadtratsinformationssystem abzutauchen ist manchmal etwas mühselig, vor allem wenn man sich nur lose daran erinnert, etwas schon mal gelesen zu haben. Wie dem auch sei, im heutigen Beitrag geht es um etwas, das am 10.06.2026 im Finanz- und Verwaltungsausschuss beschlossen wurde.
Nach rund sechs Jahrzehnten Betrieb stand dort nämlich zuerst die dauerhafte Schließung des Jugendbad Burgfarrnbach im Raum. Letztendlich wurde erstmal die vorläufige Schließung beschlossen. Dabei geht es mir gar nicht um den Umstand selbst, dass das Bad schließt, sondern dass es eher ein Symptom ist, das mehr über den Zustand unserer Stadt aussagt, als man vermuten würde.

Die Begründung (siehe Anlage 1 der Vorlage SpoGe/0073/2026) klingt nämlich erstmal technisch und nüchtern: gravierende Mängel, erheblicher Sanierungsbedarf, Probleme bei Personal und Betrieb, sowie rückläufige Besucherzahlen. Alles Punkte, die man nicht einfach ignorieren kann. Natürlich muss eine Stadt dann prüfen, ob ein Bad wirtschaftlich, personell und baulich noch sinnvoll betrieben werden kann.
Trotzdem bleibt für mich die zentrale Frage:
Wie kann es überhaupt so weit kommen?
Wenn bei einem städtischen Bad plötzlich in nahezu allen zentralen Bereichen Handlungsbedarf besteht, dann ist das auch das Ergebnis von Entscheidungen. Oder eben von nicht getroffenen Entscheidungen. Badewassertechnik, Elektroanlagen, Sanitärtechnik, Schwimmbecken, Gebäude, Zugang. Alles marode und im Endeffekt die Grundsubstanz einer solchen Einrichtung.
Und genau deshalb geht es mir beim Jugendbad Burgfarrnbach nicht allein um ein kleines Freibad in einem Stadtteil. Es ist für mich ein weiteres Beispiel für ein größeres Muster in Fürth: Städtische Infrastruktur wird so lange auf Verschleiß gefahren, bis am Ende kaum noch gute Optionen übrig bleiben.
Jugendbad, Stadthalle, Günther-Brand-Turnhalle: Das Muster in Fürth ist nicht neu
Eben dieses Thema hatte ich schon mal in einem meiner ersten Beiträge erläutert:
Darin ging es um die “Schattenseiten der Fürther Finanzen”. Denn während der Schuldenabbau in Fürth seit Jahren gefeiert wird, sieht die Wirklichkeit vieler städtischer Gebäude deutlich weniger glänzend aus.
In meinem Beitrag habe ich unter anderem die Stadthalle als ein besonders deutliches Beispiel hervorgehoben. Dort konnte zuletzt die Betriebssicherheit nicht mehr gewährleistet werden, die haus- und sicherheitstechnischen Anlagen gelten als dringend sanierungs- bzw. erneuerungsbedürftig (siehe GWF/0535/2024). Das Ergebnis: komplette Schließung und umfassende Sanierung. Die Günther-Brand-Turnhalle in Stadeln passt aber ebenso in dieses Bild. Wenn eine Turnhalle nicht mehr sinnvoll saniert werden kann und am Ende sogar ein Neubau nötig wird, dann stellt sich ebenfalls die Frage, ob rechtzeitig genug in Erhalt, Pflege und Modernisierung investiert wurde.
Und jetzt also das Jugendbad Burgfarrnbach. Wieder ein Gebäude bzw. eine Einrichtung, bei der sich über Jahre offenbar so viel angesammelt hat, dass am Ende nur noch große Lösungen übrig bleiben: In diesem Fall eben Schließung oder Ersatznutzung.
Und genau das ist mein Punkt, sowohl in meinem alten Beitrag, als auch in diesem hier: Ich kann das nur bedingt nachvollziehen, denn solche Fälle entstehen selten über Nacht. Ein Gebäude wird nicht plötzlich marode. Sanierungsbedarfe kündigen sich an und werden eigentlich frühzeitig sichtbar. Wer aber diese Sanierungen über Jahre vor sich herschiebt, gewinnt eventuell kurzfristig Luft im Haushalt, verliert aber langfristig Handlungsspielraum.
Rekordinvestitionen? Der Widerspruch in Fürths Finanz-Erzählung
Wie Robin Alexander sagen würde: Jetzt wird es hoch interessant. Denn wenn man sich die offizielle Kommunikation der Stadt hinsichtlich der Finanzen und der SPD Fürth vergleicht, gibt es doch signifikante Unterschiede.
Im SPD-Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2026 hieß es:
“Dank einer vorausschauenden und nachhaltigen Finanzpolitik aus konsequentem Schuldenabbau und zielgerichteten Rekordinvestitionen können wir in Fürth auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft blicken.“
- SPD Fürth. (2026). FÜRTH IN GUTEN HÄNDEN - Wahlprogramm für die Kommunalwahl 2026. S. 6, Fürth. https://fürth-in-guten-händen.de/dateien/pdfs/wahlprogramm.pdf
Das klingt toll. Schuldenabbau und Rekordinvestitionen! Wer würde da widersprechen?
Das Problem ist nur: Die eigene Finanzverwaltung beschreibt die Lage deutlich weniger erfreulich. In der Stellungnahme zum Bereich Kreditermächtigungen und Rücklagenbestand, die im Zusammenhang mit der Stabilisierungshilfe 2025 vorgelegt werden musste, steht folgender Satz:
Der Investitionsstau war und ist enorm hoch.
- siehe Anlage 03 Stellungnahme zu Kreditaufnahmen und Rücklagen FINAL in Vorlage Käm/1222/2026 vom 15.02.2026
Das ist aber nicht der einzige interessante Satz, denn noch deutlicher wird es danach:
Im Vergleich zu allen 25 kreisfreien Städten investiert die Stadt Fürth mit Abstand sehr wenig pro Einwohner. Beim letzten Vergleich der Rechnungsergebnisse von 2024 hat nur eine (kleinere) Stadt weniger investiert. 2023 waren [sic!] belegte die Stadt Fürth den letzten Platz.
- siehe ebd.
Das ist schon ein extremer Kontrast. Auf der einen Seite wird im Wahlkampf der SPD, und somit auch vom Oberbürgermeister, von “Rekordinvestitionen“ gesprochen. Auf der anderen Seite schreibt die Stadt selbst, dass Fürth im Vergleich der kreisfreien Städte in Bayern äußerst wenig pro Einwohner, 2023 sogar so wenig, wie keine andere Stadt, investiert und der Investitionsstau enorm hoch ist.
Diplomatisch gesehen kann formal beides irgendwie gleichzeitig stimmen. Man kann in einem bestimmten Haushaltsjahr hohe Investitionssummen planen und gleichzeitig über Jahre hinweg im Vergleich wenig investiert haben. Aber politisch ist diese Kommunikation mindestens erklärungsbedürftig, wenn nicht sogar irreführend. Denn beim Wähler entsteht durch Worte wie “Rekordinvestitionen“ ein bestimmtes Bild: Fürth investiert viel, Fürth kümmert sich, Fürth ist finanziell stark und zukunftsfähig. Fürth in guten Händen eben 😉
Die Stellungnahme der Finanzverwaltung zeichnet aber ein anderes Bild: Fürth war jahrelang extrem sparsam bei Investitionen, und genau daraus ist ein enormer Investitionsstau entstanden. Das Ergebnis daraus sind man immer wieder.
Warum Schuldenabbau in Fürth nicht automatisch generationengerecht ist
Damit man mich aber nicht falsch versteht: Schuldenabbau ist grundsätzlich erstmal nichts Schlechtes. Eine Stadt (oder auch ein ganzes Land) sollte nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse leben. Es ist auch richtig, kommenden Generationen nicht einfach immer höhere Schuldenberge zu hinterlassen.
Aber Schulden sind nicht die einzige Last, die man weitergeben kann. Man kann künftigen Generationen auch marode Gebäude hinterlassen. Gesperrte Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, geschlossene Bäder, Turnhallen, die neu gebaut werden müssen oder eine Stadthalle, die über Jahre saniert werden muss. Und genau dann stellt sich bei mir die Frage: Ist das dann wirklich noch so generationengerecht?
Wenn notwendige Investitionen über Jahre verschoben werden, verschwinden sie ja nicht. Sie werden meistens teurer. Aus einer Reparatur wird eine Generalsanierung. Aus einer Sanierung wird ein Neubau. Aus rechtzeitiger Instandhaltung wird eine Schließung. Das ist für mich nicht generationengerecht, sondern eine Verschiebung der Kosten in die Zukunft. Vielleicht nicht als Kredit im Haushalt, aber als kaputte Infrastruktur in der Realität. Man kann Schulden abbauen (oder keine Aufnehmen) und trotzdem auf Kosten der Zukunft handeln. Genau das wird in der politischen Debatte viel zu selten gesagt.
Fürths Finanzen brauchen mehr Ehrlichkeit
Was mich nämlich in Fürth stört, ist nicht, dass gespart wird. Sparsamkeit kann notwendig und richtig sein. Was mich stört, ist die politische Erzählung dazu und das diese niemand zu hinterfragen scheint. Looking at you Opposition 🫵🏼
Wenn man über Jahre Schuldenabbau als politischen Erfolg verkauft, muss man gleichzeitig ehrlich sagen oder mindestens die Opposition klarstellen, was dieser Kurs gekostet hat. Wenn städtische Gebäude und Einrichtungen in schlechtem Zustand sind, wenn Sanierungen immer dringlicher werden und wenn die Finanzverwaltung selbst von einem enormen Investitionsstau spricht, dann reicht es nicht, von ”vorausschauender Finanzpolitik“ und “Rekordinvestitionen“ zu sprechen.
Dann muss man der Öffenlichkeit klar machen, dass:
a) An vielen Stellen zu wenig investiert wurde. (Letzter Platz bei den Investitionen pro Kopf im Jahr 2023 aller kreisfreien Städte in Bayern und 2024 vorletzter Platz!!)
b) Probleme einfach auf die lange Bank geschoben oder ignoriert werden.
c) Der Schuldenabbau auch eine Kehrseite hat.
Das wäre ehrlich und eigentlich prädestiniert für eine Opposition, aber da bin ich leider schon ernüchtert.

Stattdessen entsteht von allen politischen Akteuren der Eindruck einer Stadt, die gleichzeitig alles richtig gemacht haben will: Schulden abgebaut, investiert, stabil geblieben, vorausschauend gehandelt. Nur leider passen dazu die sichtbaren Symptome immer weniger. Eine Stadthalle, die schließen muss. Eine Turnhalle, die abgerissen und neugebaut werden muss. Ein Jugendbad, das möglicherweise dauerhaft verschwindet. Und man könnte dazu noch weitere Beispiele nennen.
Am Ende ist die entscheidende Frage nicht, ob Fürth sparsam war. Das war man offenbar. Die entscheidende Frage ist, ob diese Sparsamkeit wirklich nachhaltig war.
Und beim Blick auf den Investitionsstau fällt meine Antwort zunehmend skeptisch aus.





Es ist sicher zutreffend, dass die Stadt an vielen wichtigen Stellen gespart hat ... an einer (m.E. nur für einen kleinen, aber mit guten Kontakten zur Stadtspitze "gesegneten" Personenkreis "wichtigen") Stelle hat die Stadt relativ viel investiert: Für die Änderung des Bebauungsplans 001 und die dadurch folgenden Maßnahmen, Gerichtsverfahren, etc.. Ich verweise Interessierte auf eine Anfrage der Freien Wähler vom 24.04.2024 und deren Beantwortung durch die Stadt am 05.06.2024 im Bau- und Werksausschuss. Beides findet man im Informationssystem der Stadt Fürth, deshalb hier nur eine kleine Anmerkung: Wenn eine Stadt sich solche Ausgaben 'leistet" für eine Änderung, zu der sich dann auch noch im Gerichtsverfahren (im Dezember 2022 am VGH München) herausstellte, dass die hierzu gewünschte Rechtsgrundlage gar nicht existierte, dann darf man die Prioritäten, die die "Stadtspitze" setzt, sicherlich anzweifeln.