Das Ergebnis hinter dem Ergebnis
Meine Analyse der Kommunalwahl 2026 in Fürth
So, die Kommunalwahl ist nun offiziell vorbei und ich musste dazu erstmal bisschen meine Gedanken sortieren. Im Endeffekt sind allzu große Überraschungen ausgeblieben, außer vielleicht, dass die Tierschutzpartei stärker als die Freien Wähler oder die FDP abgeschnitten hat. Das hatte ich tatsächlich nicht auf meinem Bingozettel. 😅
Nichtsdestotrotz lohnt sich ein etwas genauerer Blick auf das Ergebnis, auch in ein paar Stadtteile hinein. Aus diesem Grund folgen hier meine Gedanken zur Kommunalwahl 2026 in Fürth. Also schnallt euch an für die große Felixible Wahlanalyse mit mehr als 2.000 Wörter und einer Lesezeit von ca. 10 Minuten laut Substack 😮💨

SPD: Sehr stark, aber nicht unverwundbar
Die SPD ist ohne jeden Zweifel einer der Gewinner der Wahl und profitierte selbstverständlich auch von einem enorm starken amtierenden Oberbürgermeister. Trotz der berichtigten Freude über das Ergebnis, obwohl man einen Sitz weniger im Stadtrat hat, gibt es eine Sache, die mich etwas nachdenklich stimmt und bei der ich komplett anderer Meinung als der Chefredakteur der Fürther Nachrichten bin. Dieser schrieb in seinem Kommentar zur Kommunalwahl:
Auch die Fürther SPD konnte offenbar vom Sog ihrer Galionsfigur einmal mehr profitieren, auch sie schaffte es, ihr Ergebnis von 2020 fast wieder zu erreichen. Der starke Stimmenzuwachs, den die AfD […] wie allerorten verzeichnen darf, ist zu Lasten anderer Kräfte gegangen.
- Händel, W. (09.03.2026). Hut ab, Herr Jung! Wie der alte und neue OB von Fürth die Konkurrenz das Fürchten lehrt. Fürther Nachrichten. https://www.nn.de/fuerth/hut-ab-herr-jung-wie-der-alte-und-neue-ob-von-furth-die-konkurrenz-das-furchten-lehrt-1.15036406
Dem würde ich in dieser Klarheit nicht zustimmen, insbesondere wenn man sich manches Stadtteilergebnis anschaut. Besonders auffällig ist es am Scherbsgraben und der Billinganlage. Dort verlor die SPD ganze 10,18 Prozentpunkte im Vergleich zur Kommunalwahl 2020 und die AfD war mit Abstand zweitstärkste Partei mit einem Zuwachs von 10,84 Prozentpunkten.
Dasselbe Phänomen sieht man auch in der südlichen Südstadt:
Ich will auch nicht alles schwarzmalen oder pessimistisch sehen, immerhin ist das Ergebnis auch in den Stadtteilen immer noch überragend. Wenn man jedoch in einem Stadtteil über zehn Prozentpunkte verliert, gleichzeitig die AfD dort zweitstärkste Kraft wird und die anderen Parteien nicht in demselben Maße Prozente verlieren, dann sollte man sich als Partei ernsthaft fragen: Was haben wir dort falsch gemacht? Welche Themen haben wir nicht mehr ausreichend adressiert? Und vor allem: Wen haben wir verloren und warum?
Dieses Muster ist kein Fürther Sonderphänomen. Es ist derselbe Erosionsprozess, den man in vielen anderen Bundesländern, Städten oder Gemeinden beobachten kann: Dort, wo die SPD in sozial schwächeren oder strukturell benachteiligten Stadtteilen ihren Rückhalt verliert, füllt die AfD diese Lücke. Der Unterschied zu Fürth ist bisher nur die Intensität. Wer aber glaubt, dass ein starker und extrem pragmatischer Oberbürgermeister diesen Trend dauerhaft aufhalten kann, ohne dass die Partei selbst inhaltlich gegensteuert, der täuscht sich.
Die Freude über das Wahlergebnis ist berechtigt, keine Frage. Aber wenn man in der Fürther SPD langfristig denkt, und ohne “Galionsfigur”, dann sollte diese Ergebnisse Anlass für eine ehrliche, innerparteiliche Analyse sein. Man sollte sich jetzt schon bewusst machen, dass wenn Dr. Thomas Jung nicht auf dem Stimmzettel steht, das Ergebnis in sechs Jahren deutlich anders aussehen könnte.
CSU: Tiefpunkt und noch niedrigerer Tiefpunkt
Kommen wir zur CSU und ich sage das ohne jede Häme, weil ich dieser Partei sechs Jahre meines Lebens gegeben habe: Die große Katastrophe (Platz 3) ist ausgeblieben, aber das Ergebnis ist in Summe dennoch mehr als ernüchternd.
Fangen wir bei der OB-Wahl an. Max Ammon kam auf 8,53 Prozent. Zum Vergleich: Dietmar Helm holte 2020 noch 9,23 Prozent und das galt damals bereits als desaströs, vor allem weil er selbst 2014 noch 17,3 Prozent erzielt hatte. Man hat also nicht nur das schon historisch schlechte Ergebnis von vor sechs Jahren nicht verbessert, sondern nochmal unterboten. Das ist bemerkenswert, und zwar nicht im positiven Sinn. Insbesondere, weil der Wahlkampf der CSU 2020 wirklich sehr schwach war (allein die Podiumsdiskussion der Fürther Nachrichten war damals ein Elend sondergleichen) und man sich seitdem, zumindest nach außen, Mühe gegeben hat, es besser zu machen.
Bei der Stadtratswahl sieht es nicht viel besser aus. Auch hier wurde das ohnehin schon schwache Ergebnis von 2020, damals 18,69 Prozent, nochmals gerissen. Die CSU hielt ihre neun Sitze, aber nur mit viel Glück. 0,2 Prozentpunkte weniger, und ein Sitz wäre weg gewesen. Das ist ein Warnzeichen, das man ehrlich aufarbeiten muss.
Aber wie ist es dazu gekommen? Ich hatte in einem früheren Beitrag bereits darauf hingewiesen, dass auf mich die Liste der CSU Fürth nicht stark genug wirkt, weil Kandidatinnen und Kandidaten, die in vergangenen Wahlen viele Stimmen auf sich gezogen haben, diesmal nicht mehr dabei waren. Das machte sich bemerkbar.
Und dann kommen noch hausgemachte Probleme hinzu, die mich ehrlich gesagt wirklich gewundert haben:
Angetreten, aber nicht wirklich sichtbar
Da wäre zunächst die Junge Union. Auf den ersten Blick wirkte die Listenaufstellung wie ein Statement: JU-Kandidaten auf aussichtsreichen Plätzen, als ein klares Signal an eine jüngere Wählerschaft. Wenn man aber auf die Instagram-Seite der JU Fürth-Stadt schaut, dann sieht man… Nichts. Keine Posts, keine Wahlwerbung, nicht mal ein schlichtes “Wählt unsere Kandidaten”. Das Ergebnis war, auch deswegen, vorhersehbar: Wer nicht sichtbar ist (und sich nicht ehrenamtlich engagiert [wichtiger Punkt! 😉]) wird durchgereicht. Gute Listenplätze allein gewinnen keine Stimmen.
Wahlkampf ohne Wiedererkennungswert
Nicht nur die, nicht vorhandene, Digitalstrategie der JU ist mangelhaft, sondern ehrlicherweise auch die, der CSU insgesamt. Schaut man auf deren Instagram-Kanal, dann ist bis heute nicht auf den ersten Blick erkennbar, wer überhaupt Spitzenkandidat ist/war. Viele verschiedene Gesichter, viele verschiedene Themen und kein roter Faden. Ich hatte das Thema Plakate darüber hinaus bereits in meiner Wahlprogramm-Analyse angesprochen: Kein Fürth-Bezug, kein klarer Fokus auf den Spitzenkandidaten, dazu kamen dann noch vereinzelt KI-generierte Plakate, die in der Gesamtwirkung, ich sag mal, schwierig waren. Das zog sich leider als Thema durch den gesamten Wahlkampf.
Unterm Strich aber bleibt die Frage, die sich die CSU Fürth ehrlich stellen muss: Wo liegt der Tiefpunkt? Auch wenn sie es, wie Rudi Völler, beim Interview nach einem 0:0 gegen Island 2003, nicht mehr hören können:
Aber man muss sich eingestehen: 2014 war ein Tiefpunkt, 2020 ein niedriger Tiefpunkt, 2026 noch niedrigerer Tiefpunkt. Irgendwann muss man diesen Trend stoppen, aber es gelingt nicht mit einem Wahlkampf, der nach außen wenig Kontur zeigt, digital nur halbherzig stattfindet (man erinnere sich an die paar Tanzvideos…) und dessen stärkste Kraft eigentlich die Hoffnung war. In den kommenden sechs Jahren muss ein strategischer Neustart und sichtbare Oppositionsarbeit und Themen her, ansonsten wird man die SPD, auch ohne Thomas Jung, nicht schlagen können.
AfD: Warum die AfD gewinnt, ohne zu kämpfen
Ganz anders bei der AfD. Die stand bei der OB-Wahl am Wahlabend unangenehm lange auf Platz 2 hinter Thomas Jung und das ohne großem Bekanntheitsgrad des Kandidaten, ohne erkennbare Kampagne und ohne ein wahrnehmbares kommunalpolitisches Profil. Am Ende wurde es “nur” der dritte Platz, aber das ändert nichts daran, dass dieser Anstieg (von lediglich 3,6% in 2020) ein Signal ist. Bei der Stadtratswahl dasselbe Bild: deutlich zugelegt, ohne lokale Themen, ohne sichtbare Präsenz in Fürths kommunalpolitischen Debatten. Eigentlich paradox (vor allem wegen meiner Analyse des CSU-Ergebnisses), aber ich versuche mich trotzdem an einer Interpretation des Paradoxons:

Mein Lösungsversuch hat weniger mit der AfD selbst zu tun als mit der politischen Landschaft in Fürth. Es gibt hier schlicht keine sichtbare, inhaltlich profilierte konservative Opposition. Die CSU kooperiert mit der SPD und agiert damit in einer Art politischer Zwitterrolle, die weder Regierung noch Opposition ist. Die Freien Wähler scheiden in Fürth als realistische Option ebenfalls aus. Die Einzigen, die ich im Wahlkampf, aber auch außerhalb dessen, als erkennbar oppositionelle Stimme wahrgenommen habe, waren/sind die Grünen. Die sind jedoch für viele Wählerinnen und Wähler, die Optionen (rechts) der SPD suchen, schlicht unwählbar. Und genau in diesem (konservativen) Vakuum gedeiht die AfD, bundesweit und offenbar auch hier.
Das heißt im Endeffekt, dass die Stärke der AfD in Fürth weniger Ausdruck einer aktiven Zustimmung zu einem lokalpolitischen Programm ist, sondern vielmehr Ausdruck einer passiven Unzufriedenheit mit dem, was die anderen bieten. Und solange diese Lücke nicht gefüllt wird, durch eine CSU, die echte Opposition wagt, oder durch eine andere glaubwürdige Kraft, wird dieser Trend (leider) nicht verschwinden.
Die Grünen: Hochburgen bröckeln
Die Grünen sind für mich die klaren Verlierer dieser Wahl, auch wenn das intern anscheinend anders gesehen wird. 14,4 % und drei Sitze weniger, von zehn auf sieben. Kamran Salimi und die Kreisverbandsvorsitzende Annette von Heissen sprechen trotzdem von einem „großen Erfolg”, weil es sich dennoch um das zweitbeste Ergebnis der Parteigeschichte in Fürth handelt. Ich bin da ehrlich gesagt geteilter Meinung.
„Trotzdem sind wir in Fürth drittstärkste Kraft geworden. Das zeigt, dass wir vieles richtig gut gemacht haben“, findet Salimi, den Zuspruch während des Wahlkampfs sieht er als Ansporn, „die grüne Idee“ weiter voranzubringen.
- Ruhnau J., Boll M., Voigt A., Kuhn G. (10.03.2026). „Müssen uns nicht verstecken“: Das sind Gewinner und Verlierer der Kommunalwahl in Fürth. Fürther Nachrichten. https://www.nn.de/fuerth/mussen-uns-nicht-verstecken-das-sind-gewinner-und-verlierer-der-kommunalwahl-in-furth-1.15037657
Natürlich stimmt es, dass 2020 ein außergewöhnliches Jahr für die Grünen war, das habe ich in vorherigen Beiträgen auch oft geschrieben. Klimaschutz und Umweltthemen dominierten die öffentliche Wahrnehmung wie selten zuvor. Das erklärt einen Teil der Verluste. Aber eben nur einen Teil. Denn wer sich die Ergebnisse in den klassischen Grünen-Hochburgen anschaut, also Altstadt, Innenstadt und Stadtpark, Stadtgrenze, findet dort Verluste von teils um die 10 Prozentpunkte.
Das ist deutlich mehr als das, was man mit veränderten Rahmenbedingungen allein erklären kann. Dort, wo die eigene Stammwählerschaft sitzt, doppelt so stark zu verlieren wie im Stadtschnitt, sollte intern mehr auslösen als das Schönreden eines zweitbesten Ergebnisses.
Kleine Parteien, aber große Unterschiede
Freie Wähler
Eigentlich müsste man annehmen, dass die Freien Wähler von einer schwächelnden CSU profitieren, denn genau dieses Muster sieht man in weiten Teilen Bayerns. In Fürth passiert das Gegenteil. Das spricht dafür, dass die FW hier schlicht kein politisches Fundament haben, das unabhängig von Einzelpersonen trägt. Und Heidi Lau als Zugpferd der Liste war spätestens seit ihrer Verurteilung wegen Volksverhetzung in 2025, 90 Tagessätze wegen eines Facebook-Posts gegen Muslime, ein erhebliches Problem für die Außenwirkung der Partei. Solche Themen schrecken genau die Wählerinnen und Wähler ab, die man eigentlich erreichen wollen würde.
Die Linke
Für mich einer der stillen Gewinner des Abends. Solides Ergebnis, kontinuierlicher Aufwärtstrend seit 2014 und diesmal wohl auch ein Profiteur der schwächelnden Grünen. Wer links wählen wollte, hatte 2026 weniger Grund, das mit den Grünen zu tun und Die Linke war als Alternative da. Das fügt sich auch in den bundesweiten Trend ein, den die Partei zuletzt erlebt hat.
FDP
Die FDP lebt in Fürth noch, aber es ist ein zartes Lebenszeichen. Bundesweit geht der Stern der Partei unter, was ich tatsächlich etwas schade finde, denn eine glaubwürdige liberale Partei finde ich eigentlich keine schlechte Sache. Interessant ist der Wechsel im Stadtrat: Stephan Eichmann, seit 2016 im Amt, hat es von Listenplatz 3 ganz knapp, es fehlten lediglich 66 Stimmen, nicht geschafft, den jungen Spitzenkandidaten Dominik Paslawski zu überholen. Ob das ein Generationswechsel mit Substanz wird, wird man sehen.
Tierschutzpartei
Das hat mich, ehrlich gesagt, überrascht, vor allem in dieser Höhe. Immerhin war die Tierschutzpartei besser als die FDP oder die Freien Wähler. Meine Vermutung: Auch hier wurde von den schwächelnden Grünen profitiert. Die Überschneidungen im Wählermilieu dürften groß sein. Ben Schoppel zieht als gewählter Stadtrat ein und ich bin tatsächlich gespannt, ob er sichtbare Akzente setzen kann.
Fürth hat gewählt – und jetzt?
Allzu große Überraschungen hat diese Wahl für mich nicht gebracht, das hatte ich ja schon am Anfang gesagt. Aber ein paar Hausaufgaben hat sie trotzdem verteilt:
Die CSU muss sich ernsthaft fragen, was jetzt anders werden soll. Denn “weitermachen wie bisher” war nach 2020 offensichtlich kein erfolgreicher Plan und das Ergebnis zeigt es. Und nur darauf zu hoffen, dass man schon eine reelle Chance hat, wenn Thomas Jung nicht mehr antritt, wird nicht reichen. Wer sechs Jahre lang keine sichtbare Opposition aufbaut, wird auch dann nicht plötzlich als Garant für Gestaltung wirken.
Die SPD wiederum hat mit einem außergewöhnlich starken Oberbürgermeister abgeliefert, aber genau darin verbirgt sich ein hohes Risiko. Ein neuer OB-Kandidat fällt nicht vom Himmel. Wer in sechs Jahren nicht dasselbe Schicksal erleiden will wie die SPD Nürnberg 2020, als die CSU um Markus König das Rathaus übernommen hat, muss jetzt schon anfangen, jemanden aus dem langen Schatten von Thomas Jung heraustreten zu lassen. Nicht kurz vor dem Wahlkampf, sondern schon in ein, zwei Jahren.
Für die anderen Parteien gilt: Die Grünen sollten ihre Verluste in den eigenen Hochburgen ehrlich aufarbeiten, statt sich mit dem zweitbesten Ergebnis der Parteigeschichte zufrieden zu geben. Die AfD hat gezeigt, dass ein politisches Vakuum auch ohne eigene Inhalte gefüllt werden kann und das sollte eine Warnung an alle anderen Parteien sein. Die Linke darf sich über ihren stillen Aufwärtstrend freuen, und die Tierschutzpartei hat die Möglichkeit zu zeigen, dass ihr Sitz im Stadtrat mehr ist als ein Achtungserfolg.
Und falls du es wirklich bis hier hin geschafft hast: Respekt 😄 Du hast entweder wirklich viel Interesse an Fürths Kommunalpolitik oder bist einfach ein Fan von Felixible Meinung, egal was: Danke für’s Lesen!
Und wer denkt, damit wäre das Thema Kommunalwahl 2026 für mich schon erledigt: Es gibt noch einen Aspekt, den ich noch beleuchten will. Stichwort: Geld. 💸
Also stay tuned 😎










Gut beobachtet und analysiert!