Felixible Prognosen für 2026
Mein Blick in die Glaskugel von Fürth über Deutschland bis zur Weltpolitik 🔮
Ich hasse Silvester. Mit Böllern kann ich echt gar nichts anfangen und ich hasse dieses Gefühl, man müsse an diesem Abend zwingend feiern oder irgendetwas Besonderes machen. Ansonsten fühlt es sich merkwürdigerweise so an, als hätte man keine Freunde. Dabei ist Silvester eigentlich ein Tag wie jeder andere. Gerade zum Jahresende ist man darüber hinaus eh meistens damit beschäftigt zurückzublicken oder an guten Vorsätzen zur alljährlichen Selbstoptimierung zu feilen. In diesem Beitrag will ich aber keine Ratschläge zum Self-Healing, wie jeden Morgen erst ein großes Glas Wasser vor dem Kaffee zu trinken oder wie man sein Leben mit Atemübungen und Dankbarkeitstagebuch komplett neu sortieren kann, verteilen. Ich will eher einen Blick durch die Glaskugel werfen und ein bisschen Nostradamus spielen.
Fürth
Fangen wir gleich mal mit Fürth an. 2026 steht natürlich alles im Zeichen der Kommunalwahl am 08. März. Es wird niemanden ernsthaft überraschen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Dr. Thomas Jung auch nach Wahl Oberbürgermeister bleiben wird. Und mehr noch: Ich gehe davon aus, dass er ein besseres Ergebnis einfährt als 2020. Die SPD setzt konsequent auf Stabilität und den Amtsbonus. Das funktioniert in Fürth schon seit Jahren und es gibt aktuell keine politische Kraft, die dieses Modell effektiv herausfordert. Ob man das politisch gut findet oder nicht, ist dabei fast zweitrangig. Die meisten Wählerinnen und Wähler werden sagen: Es läuft doch irgendwie. Das reicht.

Spannender wird da eher der Blick auf den Stadtrat bzw. dessen Zusammensetzung. Hier rechne ich damit, dass die AfD (leider) stärker abschneiden wird, als viele es wahrhaben wollen. Es könnte sogar passieren, dass sie drittstärkste Kraft im Stadtrat werden. Es hängt sehr stark davon ab, wie die Grünen und die CSU abschneiden:
Bündnis90/Die Grünen
Hatten die Grünen bei der Kommunalwahl 2020 ihr stärkstes Ergebnis in Fürth jemals, vor allem da zu dieser Zeit die Rahmenbedingungen (Stichwort Klima), sowie mediale Stimmung ihnen sehr wohl gesonnen war. Das hat sich seitdem stark verändert, insbesondere nach dem Aus der Ampel-Regierung. Das könnte auch in Fürth zu deutlichen Verlusten führen.
CSU Fürth
In einem Beitrag hatte ich schon mal über die Probleme des Wahlprogramms der CSU geschrieben, die dazu führen könnten, dass sie schlechter abschneiden wird als 2020:
Darüber hinaus fehlen auf der Liste bei dieser Kommunalwahl Kandidaten, die, bei vorherigen Kommunalwahlen, immer viele Stimmen auf sich ziehen konnten. Zum Beispiel Peter Pfann oder Franz Stich, der mit Listenplatz 32 von 50 fast in den Stadtrat gekommen wäre. Von den 11 stimmenstärksten Kandidaten/-innen aus 2020 treten vier überhaupt nicht mehr an, das könnte dazu führen, dass die CSU noch weiter abrutscht.

Sollte das tatsächlich eintreten, und die AfD massiv zulegen, dann sollte das für Fürth ein Weckruf sein. Die AfD profitiert auch kommunal von Frust und Polarisierung, denn echte Inhalte für Fürth haben sie keine im Angebot. Wer glaubt, Fürth sei vom “Rechtsruck”, aufgrund einer starken kommunalen SPD, ausgenommen, macht es sich zu einfach.
Aber ganz egal wie die Wahl genau ausgeht und wie die CSU bei der Wahl abschneidet, der dritte Bürgermeister wird ziemlich sicher von der CSU sein. Wer das am Ende sein wird, hängt maßgeblich davon ab, wie Max Ammon oder Dietmar Helm stimmtechnisch abschneiden. Ob das ganze ohne Reibereien abläuft, wage ich zu bezweifeln. Der eine wäre als OB-Kandidat eigentlich prädestiniert für das Amt, der andere wird sein derzeitiges Amt nicht einfach aufgeben wollen. Diese Personalie ist meiner Meinung nach fast spannender als die des Oberbürgermeisters oder Bürgermeisters.
Deutschland
2026 sind in Deutschland fünf Landtagswahlen, davon zwei (Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt) im Osten. Insbesondere bei diesen beiden wird die AfD klar stärkste Kraft werden. Mit 35% und mehr. Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie keine Regierungsverantwortung übernehmen wird. Stattdessen wird man Konstruktionen sehen, die man vor ein paar Jahren noch für undenkbar gehalten hätte: Minderheitsregierungen der CDU, die faktisch nur mit wechselnden Mehrheiten und in entscheidenden Fragen auch mit Stimmen der AfD handlungsfähig sind.

Das wird eine massive Zäsur für das politische System, die politische Kommunikation und vor allem der Medien werden. Jahrzehntelang galt das Mantra, dass jede Form der Zusammenarbeit oder auch nur faktischen Abhängigkeit von AfD-Stimmen tabu sei. Diese Realität wird 2026 endgültig aufbrechen. Und so unangenehm das ist: Ich halte das für weniger gefährlich als eine direkte Regierungsbeteiligung der AfD.
Hier muss aber ein Lernprozess stattfinden, das meine ich mit Zäsur. Nicht jede Mehrheit mit der AfD öffnet das “Tor zur Hölle”, wie es Rolf Mützenich, nach der Abstimmung der Union mit der AfD im Bundestag, im Januar 2025 sagte. Außerdem sollten die Parteien links der CDU die Minderheitsregierung nicht als “AfD-toleriert” framen. Das ist sie nämlich nicht, sondern ebenso SPD-, Grünen- und Linke-toleriert. Es gibt gute Argumente gegen eine Minderheitsregierung. Zum Beispiel, das diese zu instabil oder zu streitanfällig seien. Das sind berechtigte Argumente. Aber wer sofort behauptet, es wäre eine „von der AfD geduldete Unionsregierung“, verlässt die sachliche Ebene und will nur polarisieren.
Letztendlich kann man nur hoffen, dass es am Ende doch irgendwie für eine Koalition unter demokratischen Parteien reicht. Fingers crossed 🤞🏼
Die SPD hingegen wird weiter an Bedeutung verlieren. Sie wird noch schlechter abschneiden als ohnehin schon und, was fast noch tragischer ist, wieder nichts daraus lernen. Statt einer ehrlichen Analyse wird es erneut strukturelle Ausreden von Klingbeil & Co. geben: schwierige Zeiten, schlechte Rahmenbedingungen und das man sich in Zukunft (wieder mal) auf die arbeitende Mitte konzentrieren muss. Besonderes letzteres ist so unselig, weil das seit 10 Jahren nach jeder verlorenen Wahl beschworen wird (siehe diesen Twitter-Thread von einem Journalisten der ZEIT ➡️ Link). Die grundlegende Frage, wofür die SPD eigentlich stehen will, wird aber auch zukünftig unbeantwortet bleiben.
Welt
Auch international wird 2026 unruhig werden. Donald Trump wird das transatlantische Verhältnis weiter belasten und die Verlässlichkeit der USA als Partner weiter infrage stellen. Die nationale Sicherheitsstrategie war schon mal ein Vorgeschmack darauf und seine Haltung zur Ukraine bzw. Außenpolitik allgemein wird ebenso erratisch bleiben. Gleichzeitig bin ich aber überzeugt, dass genau dieser Druck Europa stärker machen wird. Nicht, weil Europa plötzlich alles richtig macht, sondern weil es keine echte Alternative gibt.
Zugegeben: Europa leidet unter zu viel Regulierung, zu viel Bürokratie und einem politischen Überbau, der oft lähmender wirkt als gestaltend. Das zu benennen ist nicht Anti-Europa, sondern eine notwendige Voraussetzung, um es besser zu machen. Trotzdem bleibt Europa unser Garant für Sicherheit, Wohlstand und vor allem die einzige realistische Chance, als gemeinsamer Binnenmarkt und politische Gemeinschaft in einer zunehmend fragmentierten Welt, in der immer mehr das Recht des Stärkeren zählt, überhaupt noch eine relevante Rolle zu spielen.

Interne Störenfriede wie Orban & Co. werden diesen Weg auch in 2026 weiter verzögern und verkomplizieren. Ich bin mir aber fast sicher, dass sie ihn aber nicht aufhalten können. Zu groß sind die gemeinsamen Interessen, zu offensichtlich die Vorteile eines geeinten & starken Europas. Wenn Europa diesen Weg konsequent weitergeht, strategischer denkt und sich weniger selbst blockiert, dann wird es sich durchsetzen. Auch Außenpolitisch. Nicht als perfekte Union, sondern als funktionierende, gemeinsam agierende. Und genau darin liegt am Ende vielleicht meine größte Hoffnung.
Ein letztes Wort
Wenn ihr das hier noch lest, gehört ihr zu einem sehr exklusiven Kreis. Wer sich freiwillig durch meine Analysen zu Fürth “quält”, hat entweder ein sehr spezielles Interesse, viel Zeit oder möchte mich einfach unterstützen. Alles drei weiß ich sehr zu schätzen. Umso mehr: Danke fürs Lesen, Mitdenken und diskutieren. ❤️🙏🏼
Ich wünsche euch ein gutes und vor allem gesundes neues Jahr. Mit möglichst wenig Stress, viel Gelassenheit für den Alltag und genug Zeit für Dinge, die wirklich wichtig sind.
FELIX




