Was der Fürther Wahlkampf wirklich gekostet hat
Ein Blick auf die Werbeausgaben der Parteien zur Kommunalwahl 2026 in Fürth
Ich habe es in meinem letzten Beitrag, in dem es um die Ergebnisse der Kommunalwahl 2026 in Fürth und das politische Bild hinter den Zahlen ging (lesen lohnt sich!)…
…schon angeteasert. Heute geht es um einen nicht ganz unwichtigen Teil des Wahlkampfs: das Geld 💸
Genauer gesagt um die Frage, wie viel die Parteien in Fürth für Wahlwerbung ausgegeben haben. Viele werden sich jetzt fragen: Das geht? Jap, denn seit dem 10. Oktober 2025 gelten die neuen EU-Regeln zur Transparenz politischer Werbung in vollem Umfang (Verordnung (EU) 2024/900). Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich simpel: Politische Werbung soll klar als solche erkennbar sein, und man soll sehen können, wer dahintersteht, also wer sie bezahlt hat und bei bestimmten Formaten auch wie viel Geld geflossen ist. Das gilt nicht nur für Bundestags- oder Europawahlen, sondern ausdrücklich auch für politische Werbung auf lokaler Ebene, das heißt eben auch für den Kommunalwahlkampf in Fürth.
Man kann an der Europäische Union wirklich einiges kritisieren, aber ich muss ehrlich sagen, dass sie auch einige Sachen richtig macht. Natürlich bedeutet diese Verordnung auch mehr Bürokratie, aber der Nutzen und die Transparenz überwiegt für mich hier klar und hoffentlich am Ende des Beitrags auch für euch 😉
Eine Transparenzbekanntmachung braucht es also grundsätzlich für politische Werbung, d.h. für Werbung von oder für politische Akteure oder für Botschaften, die darauf angelegt sind, Wahlen o.ä. zu beeinflussen, egal ob online oder offline. Zum Beispiel Werbung in der INFÜ 😡 und (Groß-)Plakate.
Ausgaben für politische Werbung nach Parteien
Aber jetzt mal Butter bei die Fische. So sehen die Ausgaben für politische Werbung für die Kommunalwahl 2026 in Fürth aus, aber vorher noch ein kleiner Hinweis:
Die folgende Grafik zeigt nicht sämtliche Wahlkampfaufwendungen der Parteien, sondern nur die Ausgaben, die aus den veröffentlichten Transparenzbekanntmachung gemäß Artikel 7 und 11 der Verordnung (EU) 2024/900 über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung (TTPA-VO) ersichtlich sind. Da diese Angaben unvollständig sein, unterschiedlich aufgeschlüsselt werden oder teilweise nur gesammelt für übergeordnete Parteiebenen veröffentlicht sein können, erlaubt die Darstellung keine vollständige finanzielle Gesamtbewertung, sondern lediglich einen begrenzten Einblick in den veröffentlichten Teil politischer Werbeausgaben.
Absoluter Spitzenreiter ist die SPD. Diese hat mehr als 40.000 € für politische Werbung ausgegeben, dafür allein knapp 30 Tausend für Großplakate. Darin ist auch eine Kinowerbung enthalten, die 2 Wochen lang lief und 2.092,30 € gekostet hat oder Werbung an (fast) allen ÖPNV-Haltestellen in Fürth ganz kurz vor der Wahl, die allein mit insgesamt 13.257 € zu Buche schlägt. Deutlich darunter liegen mit jeweils etwas mehr als 16.000€ die FDP und die Freien Wähler. Vor allem letztere setzten komplett auf die INFÜ 😡 mit jeweils 2 kompletten Seiten und 6 Viertelseiten in den drei Ausgaben vor der Wahl. Erstaunlich viel, wenn man sich das mit der CSU vergleicht, aber ein gutes Ergebnis hat es nicht gebracht.
Mal zum Vergleich: In Erlangen hat die dortige SPD, die mit Dr. Florian Janik ebenfalls den Bürgermeister stellt, “nur” etwas über 23 Tsd. Euro für politische Werbung ausgegeben (siehe Transparenzbekanntmachung SPD-Erlangen). Deren Kontrahenten der CSU haben knapp 20 Tsd. Euro ausgegeben (ohne Stichwahl, siehe Transparenzbekanntmachung CSU-Erlangen)!
Mit voller Wucht zum maximalen Ergebnis
Insbesondere die wirklich außerordentlich hohen Ausgaben der SPD finde ich sehr interessant, denn eigentlich könnte man annehmen, dass eine Partei mit einem seit Jahren extrem präsenten, bekannten und beliebten Oberbürgermeisterkandidaten gar keinen derart aufwendigen, klassischen Sichtbarkeitswahlkampf braucht. Gerade Thomas Jung war und ist in Fürth ohnehin kaum zu übersehen. Ein möglicher Grund, für die dennoch enorm hohen Ausgaben, könnte sein, dass man den Eindruck von Stärke, Stabilität und Unausweichlichkeit bewusst in die Gehirne der Wähler klopfen wollte. Wer überall plakatiert und überall sichtbar ist setzt ein sehr klares Signal: Dieser Kandidat (und Partei) ist die dominante Kraft in Fürth.
Ich glaube, dass dahinter auch ein strategischer Gedanke steht. Wahrscheinlich ging es der SPD auch darum, jetzt noch einmal das maximal mögliche Ergebnis herauszuholen, um für die nächste Kommunalwahl einen gewissen Puffer zu haben. Denn so stark Thomas Jung auch ist: Niemand kann heute sicher sagen, wie die Ausgangslage aussieht, wenn diese “Galionsfigur” irgendwann nicht mehr antritt. Dazu kommt für mich noch ein zweiter Punkt: Die SPD dürfte ein Interesse daran gehabt haben, auch künftig möglichst klar als die politische Kraft wahrgenommen zu werden, der man Erfolge in Fürth zuschreibt. Genau dieses Muster war ja schon im Wahlprogramm zu erkennen, das stark auf die eigene Bilanz und auf bereits Erreichtes gesetzt hat.
Wer dann bei der Kommunalwahl erneut sehr stark abschneidet, schafft damit auch eine bessere Ausgangslage für 2032, weil ein möglicher Nachfolger oder eine mögliche Nachfolgerin dann nicht bei null anfangen müsste, sondern auf eine weiterhin erfolgreiche SPD-Erzählung aufbauen könnte.
Mehr als nur eine Anzeige
Interessant ist bei der SPD außerdem noch ein Detail rund um die Fürther Nachrichten. Für die dort geschaltete Anzeige gibt es eine Transparenzbekanntmachung, in der für die konkrete politische Anzeige ein Betrag von 2.104,40 € genannt wird.
Gleichzeitig weist dieselbe Bekanntmachung für die politische Werbekampagne insgesamt einen Betrag von 7.418,46 € aus. Das heißt im Umkehrschluss: Es müssen noch einmal gut 5.300 € für weitere Werbeleistungen im Umfeld der Fürther Nachrichten angefallen sein. Wofür genau, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Gerade das zeigt aber auch eine Grenze dieser Transparenzdaten: Man bekommt durchaus spannende Einblicke, aber nicht immer eine so genaue Aufschlüsselung, dass sich jede einzelne Maßnahme am Ende sauber nachvollziehen lässt.
Auffällig unauffällig
Bei der CSU fallen die veröffentlichten Zahlen dagegen eher durch das auf, was nicht zu sehen ist. Im Vergleich zur SPD wirkt das fast mickrig, aber selbst im Vergleich zur FDP oder den Freien Wählern ziemlich überschaubar. Öffentlich dokumentiert sind je eine Seite in zwei INFÜ 😡-Ausgaben sowie Werbung auf Litfaßsäulen für etwas mehr als 3.000 Euro. Das ist für eine Partei, deren Oberbürgermeister-Kandidat mal sagte:
Es wäre schön, wenn man ihn [Thomas Jung, Anm. FK] in die Stichwahl bringen könnte
- Ruhnau, J. (21.02.2026) Gestalten statt verwalten: Max Ammon (CSU) will frischen Wind ins Fürther Rathaus bringen. Fürther Nachrichten. nn.de
schon erstaunlich wenig. Vor allem dann, wenn man bedenkt, wie sichtbar andere Parteien in einzelnen Kanälen unterwegs waren. Die Freien Wähler waren in der INFÜ😡 deutlich präsenter, die FDP bei den dokumentierten Werbeausgaben ebenfalls. Wobei die FDP bzw. Stephan Eichmann das nicht aus eigener Tasche bezahlt haben, aber dazu später mehr 🤫
Und mal ganz ehrlich: Da muss man sich über das schwache Abschneiden der CSU am Ende vielleicht auch nicht komplett wundern. Natürlich wurde die Kommunalwahl nicht allein über Werbebudgets entschieden (siehe AfD oder FW), und klassische Plakate, deren inhaltliche Qualität mal dahingestellt, gab es ja auch noch. Aber wenn man abseits dieser normalen Plakatierung insgesamt so wenig zusätzliche Außenwirkung zeigt, dann könnte genau diese, vergleichsweise geringe, Präsenz durchaus ein zusätzlicher Teil der Erklärung, für das ernüchternde Ergebnis, sein. Es sollte zudem eine Mahnung sein, wie teuer die Kommunalwahl 2032 werden wird. Will man hier den Oberbürgermeister-Posten haben, dann muss man klotzen nicht kleckern. Deswegen sollte man sich als CSU schon heute Gedanken machen, wie man diese Gelder, in einer ähnlichen Größenordnung wie die SPD, auftreiben will.
Nicht verwerflich, aber aufschlussreich
Kommen wir zu einem weiteren interessanten, Achtung Neudeutsch, Finding durch die Transparenzbekanntmachung der FDP. Wobei FDP hier nur bedingt stimmt, denn all die Ausgaben, die aufgeführt sind, sind ausschließlich für Stephan Eichmann gewesen. Das alleine fand ich schon beachtlich, den immerhin haben die Anzeigen in der INFÜ😡 und die Großplakate 16.329,53 € gekostet. Das ist fast das Dreifache der kompletten CSU! Umso erstaunlicher, dass es dennoch, jedenfalls für Stephan Eichmann, nicht für einen Sitz im Stadtrat gereicht hat. Was nicht minder erstaunlich ist, ist der Fakt, dass er diese Werbung nicht selbst bezahlt hat. Laut der Transparenzbekanntmachung auf seiner Website ist die zahlende Stelle, also derjenige der die Werbeleistung organisiert und bezahlt hat, die seven point.media management GmbH. Die Firma eines freien Brand- & Marketing-Creators namens Udo Bauerfeind.

Eigentlich unerheblich, warum er die Werbung, vor allem in dem Ausmaß bezahlt hat, aber genau solche Konstellationen machen die neue EU-Verordnung aus meiner Sicht so interessant. Unternehmen oder Unternehmer können politische Akteure unterstützen, und auch dass eine Werbeleistung nicht direkt von der beworbenen Person selbst bezahlt wird, ist für sich genommen kein Skandal. Ich finde das ehrlich gesagt auch nicht schlimm. Aber es zeigt sehr anschaulich, was Transparenz in der Praxis bringen kann: Ohne diese Bekanntmachung wüsste man schlicht nicht, wer hier tatsächlich die Rechnung übernommen hat. Und genau dafür sind solche Regeln am Ende da.
Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die parteienrechtliche Frage, ob eine solche Unterstützung am Ende als Parteispende beziehungsweise geldwerte Leistung einzuordnen ist. Falls das der Fall ist, müsste sie grundsätzlich auch im Rechenschaftsbericht der FDP auftauchen. Davon gehe ich aber aus, denn die FDP wird wissen, wie sie solche Leistungen rechtlich einordnen und verbuchen muss. 😉
Transparenz hilft, beantwortet aber nicht alles
Am Ende bleibt für mich vor allem eins hängen: Diese neue Transparenz ist schon ziemlich cool, denn erst durch diese Veröffentlichungen wird sichtbar, wie viel Geld in einem kommunalen Wahlkampf tatsächlich (mindestens) im Umlauf ist, wer besonders stark auf bezahlte Präsenz setzt und wie unterschiedlich die Parteien ihre Schwerpunkte setzen. Man sieht dadurch nicht nur abstrakt, dass Wahlkampf halt Geld kostet, sondern auch ganz konkret, wie sehr manche Parteien bereit sind, für Sichtbarkeit tief in die Tasche zu greifen oder wie locker bei der SPD in Fürth offenbar das Geld für Wahlwerbung sitzt.
Gleichzeitig ist das auch ein kleiner Vorgeschmack auf 2032. Wer in Fürth dann ernsthaft um den Oberbürgermeister-Posten mitspielen will, wird kaum darum herumkommen, wenigstens in die Nähe dieser Größenordnung zu kommen und ähnlich deutlich Präsenz zu zeigen. 50.000 Euro fallen schließlich nicht einfach vom Himmel. Wer echte Chancen haben will, muss so einen Wahlkampf finanziell stemmen können und zwar nicht erst ein paar Monate vor der Wahl, sondern mit entsprechendem Vorlauf. In dem Zusammenhang frage ich mich auch, woher die SPD dieses ganze Geld eigentlich nimmt. Das ist gar nicht als Vorwurf gemeint, sondern rein aus ehrlichem Interesse. Denn allein aus Mitgliedsbeiträgen oder Stadtratsabgaben wird sich so eine Kampagne kaum finanzieren lassen. So weit reichen die Vorschriften zur Transparenz dann aber leider doch noch nicht, dass sich auch diese Frage auf den ersten Blick beantworten ließe.







