Fürths Finanzen: Wie gut ist die Stadt wirklich aufgestellt?
Was die Jahresrechnung 2025 über die tatsächliche Finanzlage von Fürth verrät
Mein letzter Beitrag ist, mal wieder, etwas länger her. 😅 Mea culpa!

Wenn man aber meine bisherigen Beiträge kennt, dann weiß man, dass ich ein kritischer Beobachter der Fürther Finanzen bin.
Und jetzt gibt es einen ziemlich guten Anlass, sich diese wieder einmal genauer anzuschauen: Die Stadt hat ihre Jahresrechnung für 2025 vorgelegt und dazu direkt am 27. Juli eine Pressemitteilung verschickt.
Auf den ersten Blick liest sie sich wirklich gut: fünf Millionen Euro Überschuss, erneut Schulden abgebaut und eine Rücklage von 162,6 Millionen Euro. Während die “überwiegende Mehrheit der bundesdeutschen Kommunen finanziell am Abgrund“ stehe, stelle sich die Situation in Fürth ”noch immer anders“ dar. Die Stadt sei damit, so heißt es, “weiter gut aufgestellt“. Alles super, oder?
Neben der Pressemitteilung existiert auch noch ein Bericht mit 23 Seiten der Kämmerei. Dort tauchen aber Formulierungen wie “nicht zu stemmende hohe Investitionsausgaben”, das Rücklagenentnahmen in zweistelliger Millionenhöhe “unumgänglich” wären und sogar ein Hinweis auf die Gefahr von künftig nicht mehr genehmigungsfähigen Haushalten auf. Klingt irgendwie nicht mehr so super…
Und genau diese Diskrepanz finde ich spannend:
Wie kann Fürth gleichzeitig einen Millionenüberschuss erzielen, Schulden abbauen und 162 Millionen Euro Rücklage haben, während die eigene Finanzverwaltung für die kommenden Jahre ziemlich deutlich auf die Bremse tritt?
Also schnallt euch an, denn wir schauen uns mal an, wie gut Fürth finanziell tatsächlich aufgestellt ist.
162 Millionen Euro Rücklage, aber fast alles zweckgebunden
Fangen wir mit der Zahl an, die wahrscheinlich am beruhigendsten klingt:
162,6 Millionen Euro Rücklage.
Das ist verdammt gutes Polster. Könnte man sich zumindest denken, wenn man einfach nur die Pressemitteilung liest. Dort heißt es, wie immer eigentlich, man schaffe gleichzeitig “Rekordinvestitionen und Schuldenabbau“ (SPD Wahlprogramm wohlgemerkt, aber anderes Thema) und könne “zudem noch eine Rücklage in Höhe von derzeit 162,6 Millionen“ bilden. Direkt danach folgt, die bereits oben genannte, Feststellung, Fürth sei damit weiter gut aufgestellt.

Der Kämmereibericht ergänzt dazu allerdings ein kleines, aber nicht ganz unwichtiges Detail: Von diesen 162,6 Millionen Euro sind bereits 156,4 Millionen Euro zweckgebunden. Frei verfügbar sind gerade einmal rund 6,2 Millionen Euro.
Vereinfacht gesagt: Es ist ein bisschen so, als hätte man 1.000 Euro auf verschiedenen Konten liegen, aber für 950 Euro stehen die Rechnungen und geplanten Ausgaben schon fest. Natürlich besitzt man trotzdem 1.000 Euro. Nur sollte man sich nicht unbedingt ein neues iPhone bestellen. (Danke ChatGPT für die Erklärung 🫡)
Bei der Stadt sind beispielsweise rund 34,5 Millionen Euro für Schulsanierungen reserviert, etwa 31,5 Millionen für Brücken und knapp 21,9 Millionen für Grunderwerb. Dazu kommen zahlreiche weitere Zweckbindungen. Das Geld ist also nicht wertlos oder weg. Eher im Gegenteil, denn es ist wichtig, dass für zukünftige Aufgaben Rücklagen vorhanden sind.
Aber 162,6 Millionen Euro Rücklage und 6,2 Millionen Euro frei verfügbare Rücklage sind kommunikativ zwei fundamental verschiedene Aussagen. Interessanterweise schreibt die Kämmerei das in ihrem Bericht zur Jahresrechnung 2025 selbst ziemlich deutlich:
“Davon sind allerdings schon 156,4 Mio. € zweckgebunden für Ausgaben der Folgejahre.“
- Dr. Ammon, S. (Stadtkämmerin). (29.07.2026). Bericht zur Jahresrechnung 2025. Referat II - Finanzen, Personal, Organisation und Digitalisierung. Stadt Fürth. S. 22 https://stadtrat.fuerth.de/getfile.asp?id=4318258&type=do
Dieser kleine Zusatz hätte der Pressemitteilung keinen Abbruch getan…
Das gute Jahr 2025 trifft auf ein ziemlich schlechtes 2026
Noch interessanter ist im Bericht zur Jahresrechnung 2025 eigentlich der letzte Punkt “Ausblick 2026 und die Jahre bis 2032”.
Dort steht unter anderem, dass die Ämter der Stadt Budgetfehlbeträge von insgesamt 12,65 Millionen Euro angehäuft haben. Diese belasten aber das Ergebnis 2025 nicht, weil sie als Verlustvortrag ins Folgejahr übertragen werden. Das heißt, dass “der Haushalt 2026 schon mit minus 12,65 Mio. € Defizit” startet. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die 12,65 Millionen einfach vom Überschuss 2025 abziehen darf und Fürth deshalb „in Wahrheit“ Verlust gemacht hätte.
Es bedeutet aber sehr wohl, dass der Blick ausschließlich auf die fünf Millionen Euro Überschuss einen ziemlich günstigen Ausschnitt zeigt. 2025 ist abgeschlossen und sieht ordentlich aus. 2026 hingegen startet man bereits mit einem ordentlichen minus von 12,65 Millionen Euro. Und der Rest des Jahres wird nicht leichter.
Zweistellige Millionenentnahmen sind “unumgänglich“
Denn ausgerechnet die zuvor so prominent genannte Rücklage soll nun helfen, die nächsten Jahre zu finanzieren. Die Kämmerei schreibt:
“Rücklagenentnahmen in 2-stelliger Millionenhöhe sind schon 2026 unumgänglich.“
- Dr. Ammon, S. (Stadtkämmerin). (29.07.2026). Bericht zur Jahresrechnung 2025. Referat II - Finanzen, Personal, Organisation und Digitalisierung. Stadt Fürth. S. 22 https://stadtrat.fuerth.de/getfile.asp?id=4318258&type=do
Und ab 2027 sollen diese Entnahmen von Jahr zu Jahr weiter steigen. Als Ursachen nennt die Finanzverwaltung unter anderem stark steigende Sozial- und Jugendhilfeausgaben und Zitat “nicht zu stemmende hohe Investitionsausgaben“. Nicht zu stemmende hohe Investitionsausgaben klingt für mich jedenfalls deutlich anders als das in der Pressemitteilung beschworene ”weiter gut aufgestellt“.
Wobei ich auch diplomatisch bleiben muss: Viele dieser Probleme kann die Stadt kaum oder gar nicht beeinflussen. Steigende Sozialausgaben, eine höhere Bezirksumlage oder mögliche Belastungen durch das Klinikum sind keine Dinge, die der Oberbürgermeister oder die Finanzverwaltung einfach mit einem Sparbeschluss verschwinden lassen könnte. Das macht die Situation aber finanziell nicht weniger problematisch.
Und auch die Regierung von Mittelfranken hatte bereits bei der Genehmigung des Haushalts 2025 darauf hingewiesen, dass die sehr hohen geplanten Ausgaben für die Jahre 2026 bis 2028 kritisch auf ihre Höhe und tatsächliche Erforderlichkeit überprüft werden müssten. Ausdrücklich, um die dauernde Leistungsfähigkeit der Stadt auch künftig sicherzustellen.
Die Pressemitteilung verschweigt das nicht komplett
Die Stadt verschweigt die Probleme in ihrer Pressemitteilung keineswegs vollständig. Auf Seite zwei werden die steigenden Sozial- und Personalausgaben, die Bezirksumlage, das Klinikum und das hohe Investitionsprogramm genannt. Jung und Stadtkämmerin Dr. Stefanie Ammon rechnen mit rund 80 Millionen Euro Mehrbelastung in den kommenden Jahren.
Und dann fällt sogar dieser Satz:
“Wir müssen also trotz des erfreulichen Ergebnisses aktuell weiterhin konsequent sparsam wirtschaften, wollen wir nicht auch in eine verhängnisvolle Schuldenspirale rutschen.“

Moment.
Gerade war Fürth noch die positive Ausnahme unter den finanziell am Abgrund stehenden deutschen Kommunen, mit Überschuss, Schuldenabbau, Rekordinvestitionen und 162,6 Millionen Euro Rücklage. Und zwei Absätze später steht eine “verhängnisvolle Schuldenspirale“ im Raum?
Das passt natürlich zusammen, wenn man die Details kennt. Für jemanden, der sich nicht regelmäßig durch Haushaltspläne und Kämmereiberichte wühlt, was vermutlich auf ungefähr 99,9 % der Fürtherinnen und Fürther zutrifft, die keine Felixible Meinung Leser sind, entsteht aber erstmal ein ziemlich widersprüchliches Bild.
Zwei Texte, dieselben Zahlen, zwei Stimmungen
Noch deutlicher wird es ganz am Ende des Kämmereiberichts. Dort steht schon recht deutlich:
“Haushaltskonsolidierung muss damit ein permanenter Begleiter der nächsten Jahre werden.“
- Dr. Ammon, S. (Stadtkämmerin). (29.07.2026). Bericht zur Jahresrechnung 2025. Referat II - Finanzen, Personal, Organisation und Digitalisierung. Stadt Fürth. S. 23 https://stadtrat.fuerth.de/getfile.asp?id=4318258&type=do
Die Kämmerei fordert eine Aufgabenkritik, will sich von “nice-to-have-Aufgaben“ verabschieden und sogar Pflichtaufgaben darauf prüfen, ob Standards abgesenkt werden können. Dem geneigten Leser und Leserin wird sich vermutlich denken können, dass ich hier schon eine Idee hätte, welche “nice-to-have-Aufgabe“ ich kürzen würde…
Seit über einem Jahrzehnt schreibt das BMPA (Bürgermeister- und Presseamt), als Herausgeber der INFÜ, tiefrote Zahlen. Und auch im Haushaltsjahr 2025 ist es nicht anders. Das BPMA erklärt das, mal wieder, u.a. wie folgt:
“Das Defizit des BMPA ist, nach wie vor, vor allem durch […] der weiterhin hohen und gestiegenen Kosten bei Druck und Verteilung der INFÜ/Amtsblatt begründet. Dies war auch 2025 nicht anders. […]
Bei der INFÜ/Amtsblatt werden, neben den Mehrausgaben, auch geringere Einnahmen erzielt”
Die INFÜ kostete der Stadt 2025 396.598,08 € nur an Druckkosten! Wie man hier einfach nicht sparen will, ist und bleibt für mich komplett unverständlich. Naja, aber dahingehend rede ich mir ja den Mund schon lange fusselig…
Es folgt danach aber noch ein Satz, der für mich viel mehr über die tatsächliche Lage aussagt als die 162,6 Millionen Euro aus der Pressemitteilung:
“[…] wenn die Rücklagen weg sind, kann es sonst keine genehmigungsfähigen Haushalte mehr geben und dann haben Verwaltung und insbesondere der Stadtrat gar keinen Gestaltungsspielraum mehr!“
- Dr. Ammon, S. (Stadtkämmerin). (29.07.2026). Bericht zur Jahresrechnung 2025. Referat II - Finanzen, Personal, Organisation und Digitalisierung. Stadt Fürth. S. 23 https://stadtrat.fuerth.de/getfile.asp?id=4318258&type=do
Das ist kein Zitat oder Schwarzmalerei der Opposition. Das schreibt die eigene Finanzverwaltung der Stadt Fürth!
Aus diesem Grund war ich etwas verwundert über die Pressemitteilung. Nicht, weil darin Unwahrheiten verbreitet werden oder die genannten Zahlen falsch wären. Sondern weil sie mit denselben Zahlen zunächst ein ausgesprochen beruhigendes Gesamtbild zeichnet, das der eigene Jahresbericht so schlicht nicht hergibt.
Fürths Finanzen: Gut aufgestellt, aber wie lange noch?
Also zurück zur Frage vom Anfang:
Wie gut ist Fürth finanziell tatsächlich aufgestellt?
Meine Antwort wäre: Derzeit tatsächlich noch gut.
Fürth hat über Jahre Schulden abgebaut, 2025 einen Überschuss erzielt und verfügt noch über Rücklagen. Das sollte man auch anerkennen. Von einer akut finanziell handlungsunfähigen Stadt kann keine Rede sein. Insbesondere, wenn man nach Nürnberg schaut, wo sogar eine Haushaltssperre verhängt werden muss.
Das Problem liegt aber vielmehr in dem kleinen Wort “noch“…
Ein Großteil der 162,6 Millionen Euro Rücklage ist eben kein frei verfügbares Sparschwein, sondern bereits für kommende Aufgaben reserviert. Dazu kommt: Die Kämmerei rechnet damit, dass schon 2026 zweistellige Millionenbeträge aus den Rücklagen entnommen werden müssen und diese Entnahmen in den Folgejahren weiter steigen. Die Rücklage also das Polster, mit dem Fürth die kommenden Jahre überhaupt abfedern kann.
Und genau deshalb finde ich den letzten Satz der Kämmerei so bemerkenswert. Denn dort steht ziemlich unmissverständlich: Wenn diese Rücklagen irgendwann aufgebraucht sind, drohen Haushalte, die nicht mehr genehmigungsfähig sind und damit ein Stadtrat, der kaum noch eigenen Gestaltungsspielraum hat.
Ob man diese Entwicklung allein durch weitere Haushaltskonsolidierungen, höhere Gebühren oder Steuern verhindern kann, halte ich zumindest für fraglich. Vor allem muss man sich dann aber auch ehrlich fragen, wie konsequent man wirklich sparen will. Denn mal Spaß beiseite: Natürlich retten 300.000 Euro für eine gedruckte INFÜ keinen Haushalt mit Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe. Aber wenn die Kämmerei selbst fordert, sich von „nice-to-have-Aufgaben“ zu verabschieden, wirkt es eben wenig überzeugend, bei vergleichsweise einfachen Einsparmöglichkeiten aus politischen Gründen nicht einmal ernsthaft ranzugehen.
Fürth steht heute besser da als viele andere Städte. Aber die gute Ausgangslage wird gerade Stück für Stück verbraucht. Wenn gleichzeitig die laufenden Ausgaben steigen, enorme Investitionen anstehen und die Rücklagen dafür abschmelzen, reicht es nicht, immer wieder auf Überschüsse und sinkende Schulden zu zeigen.
Vielleicht ist Fürth also tatsächlich “weiter gut aufgestellt“. Die wesentlich wichtigere Frage ist nur: Wie lange noch?
Und genau bei dieser Frage klingt der Bericht der Kämmerei deutlich weniger optimistisch als die Pressemitteilung des Rathauses…







